IMI-Standpunkt 2014/022

China: Terror im Griff?

von: Andreas Seifert | Veröffentlicht am: 12. Mai 2014

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Die chinesische Polizeiuniversität (People’s Public Security University of China) hat ein neues Studienfach etabliert: Anti-Terror. Die deutsche Online-Ausgabe der Volkszeitung verweist auf die Meldung, wonach mit dem neuen Studienjahr 80 Studierende im Fach „Anti-Terror“ aufgenommen werden sollen. Das Studienfach umfasst Kurse über den Terrorismus, internationale Terrororganisationen und die internationale Zusammenarbeit gegen den Terrorismus. Im Zeitungsbericht heißt es: „Die Studierenden lernen überdies Sicherheitsrisiken zu bewerten und Beweise für Online-Verbrechen zu sammeln.“ Verschiedene andere Universitäten in China haben solche Studiengänge schon längst etabliert und bilden „Anti-Terror-Spezialisten“ aus, die vor allem im Bereich der direkten physischen Bekämpfung geschult werden. Es bleibt offen, ob der neue Studiengang hier mit der theoretischen Durchdringung des Phänomens Terrorismus einen neuen Akzent setzt.

Prof. Zhang Jiadong, Politikwissenschaftler der Fudan-Universität, sieht zwar auch die Notwendigkeit, die innerchinesischen Maßnahmen gegen den Terrorismus zu stärken, hält es aber für unumgänglich, auch einen internationalen Ansatz zu suchen. Sein Beitrag in der chinesischen Printausgabe der gleichen Zeitung analysiert, dass sich die USA (der Westen überhaupt) vom Fokus auf den „Kampf gegen den Terror“ zurückziehen, andere Länder stärker vom internationalen Terrorismus heimgesucht werden und China geradezu von den Ländern mit den meisten Terroranschlägen umzingelt ist. Als neueres Phänomen macht er auch einen „Anti-Chinesischen-Terror“ aus, der seine Wurzeln und Operationsbasen vor allem im Ausland habe. Kurzum, er geht davon aus, dass sich Terrorismus eben nicht nur mit der Verstärkung der innerchinesischen Repression in den Griff bekommen lässt. Treffend überschreibt er seinen Artikel mit dem chinesischen Proverb: „Eine innere Krankheit von Außen behandeln“ (内病外治).

Erschreckender Weise werden die Ursachen von Terrorismus wieder einmal überhaupt nicht erwähnt, geschweige denn in der eigenen Reaktion auf „Terror“ verortet. Also verfährt die VR China wie gehabt: Anschläge, wie der zuletzt auf dem Bahnhof von Urumqi führen zur verstärkten Präsenz von schwer bewaffneter Polizei in chinesischen Städten (SCMP) oder zur Kontingentierung von Benzin um zu verhindern, dass jemand genug Treibstoff erwirbt, um einen Anschlag zu verüben (Volkszeitung). Leider ähnelt eine solche Herangehensweise doch sehr dem westlichen „Umgang“ mit dem Thema.

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