IMI-Aktuell 2013/512

China: Ende des Dollaraufkaufs?

von: 29. November 2013

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Die FAZ (21.11.2013) berichtet über eine Entscheidung Chinas mit potenziell weitreichenden Auswirkungen. China erwirtschafte täglich einen Handelsbilanzüberschuss von 1,8 Mrd. Dollar, Geld, das größtenteils in Fremdwährungen (überwiegend Dollar) angelegt werde, weshalb das Land mittlerweile Devisenreserven in Höhe von 3,7 Billionen Dollar  aufgehäuft habe. Dies helfe zwar einerseits die chinesische Währung Renminbi (Yuan) künstlich niedrig zu halten und so hohe Exportüberschüsse zu erwirtschaften, ermögliche es aber den USA auch über ihre Verhältnisse zu leben und sich durch schlichtes drucken von Geld zu verschulden (siehe IMI-Studie 2006/05). Laut FAZ habe China nun verkündet, dass China nicht mehr länger beabsichtige, dieses „Arrangement“ länger aufrecht zu erhalten: „Es ist China nicht länger von Nutzen, Fremdwährungsreserven anzuhäufen“, sagte der Stellvertretende Gouverneur der Zentralbank, Yi Gang. Für China bedeutet eine Aufwertung seiner Währung zwangsläufig eine Verteuerung seiner Exportwahren, was laut FAZ in folgender Form adressiert werden soll: „Zudem soll die Binnennachfrage gestärkt werden, wodurch der Export relativ zum Import an Bedeutung verlieren würde.“ Über die Auswirkungen dieser Ankündigung gibt es sehr unterschiedliche Einschätzungen. So argumentiert der bekannte Blogger Michael Snyder, China habe eine „Bombe“ platzen lassen, da Washington hierdurch womöglich nicht in den Ruin, aber doch in schwere Nöte gebracht werde, da es den USA künftig schwerfallen werde, ihre Schuldschein an den Mann zu bringen (mit der Folge massiv steigender Zinsen). Demgegenüber schätzt etwa Boris Novoseltsev auf strategic-culture.org den Vorgang für weniger gravierend ein. Schließlich habe China eine ähnliche Ankündigung bereits mehrfach gemacht und sei weiterhin auf Exporte in die USA (und damit auch auf den Aufkauf von US-Schuldscheinen) angewiesen. Es sei aber möglicherweise durchaus ein Zeichen, dass China angesichts der sprunghaft steigenden Devisenreserven und den damit zusammenhängenden Risiken zunehmend unruhig werde und Wege suche, diese Risiken zu minimieren. (jw)

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