IMI-Studie 2012/05 - in: AUSDRUCK (April 2012)

Battlefield 3: Das virtuelle Schlachtfeld

Die Story - Der Hintergrund - Die Produktion - Die Vermarktung

von: Michael Schulze von Glaßer | Veröffentlicht am: 27. Februar 2012

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„Die Kriegsschauplätze bei Battlefield 3 jagen mir einen kalten Schauer über den Rücken. Nicht nur, weil man in einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg ‚mitspielt‘, sondern weil der medial und politisch von langer Hand vorbereitete Krieg gegen den Iran ebenfalls in Hochglanz über die Monitore flimmern wird. In Battlefield 3 soll sich der Spieler mit US-Soldaten identifizieren und so deren Feindbilder und die dazugehörige Politik akzeptieren. Ob er sich darüber hinaus ein Urteil über die echte Weltlage bilden kann oder wird, halte ich für fraglich. Hier zahlen die Spieler noch freiwillig Geld dafür, sich gegen potenzielle Kriegsgräuel desensibilisieren zu lassen“, schreibt Sebastian Biemann in einem Leserbrief im Videospiel-Magazin GameStar und löste damit noch vor Erscheinen des First-Person-Shooter-Videospiels „Battlefield 3“ eine Debatte über dessen Inhalt aus.[1]

Verantwortlich für das Blockbuster-Spiel, welches weltweit ab dem 25. Oktober 2011 (in der EU ab dem 28. Oktober) für den PC und die Spielkonsolen Sony Playstation 3 und Microsoft Xbox 360 erschien, sind das schwedische Entwicklerstudio „Digital Illusions Creative Entertainment“ (DICE) und der US-Publisher „Electronic Arts“ (EA). Battlefield 3 wurde in den ersten beiden Wochen nach Veröffentlichung bei einem Preis von 40 bis 70 Euro allein in der Bundesrepublik über 500.000 Mal verkauft.[2] „Einen besseren Start hat bisher noch kein Actionspiel in Deutschland hingelegt“, resümiert die GameStar auf ihrer Website.[3] Weltweit wurden bis zum 1. November 2011 fünf Millionen Exemplare des Videospiels verkauft.[4] Bis Ende November 2011 sind 12 Millionen Exemplare des Videospiels an den Einzelhandel ausgeliefert worden, von denen bis dahin 8 Millionen verkauft wurden.[5] Dazu wurde das Spiel bis Ende 2011 noch etwa 3,5 Millionen-Mal illegal für den PC und 760.000-Mal für die Xbox 360 illegal aus dem Internet heruntergeladen.[6] Battlefield 3 ist mit seinen Verkaufszahlen (und illegalen Downloads) eines der weltweit erfolgreichsten Videospiele, die es bisher gab.

Videospiele wie Battlefield 3 orientieren sich am Markt. Sie sollen den Unternehmen so viel Geld wie möglich einbringen. Darauf ist auch die im Spiel erzählte Geschichte ausgerichtet: Ein Videospiel mit brisantem Inhalt verkauft sich besser. So merkt der US-Kommunikationswissenschaftler Roger Stahl in seinem 2010 erschienenen Buch „Militainment, Inc. – War, Media and Popular Culture“ an, dass militärische Videospiele heute zunehmend reale Konflikte aufgreifen.[7] Er macht dies etwa am Taktik-Shooter-Spiel „Conflict: Desert Storm“ deutlich. Das 2002 veröffentlichte Spiel versetzte den Spieler als US-Soldat in den Zweiten Golf-Krieg 1990/1991, spielte dabei aber klar auf den sich verschärfenden realen Konflikt zwischen den USA und dem Irak an, der im März 2003 zum Dritten Golfkrieg führte. Passend dazu erschien im Oktober 2003 das Nachfolgespiel „Conflict: Desert Storm 2“, in den USA mit dem Zusatztitel „Back to Baghdad“. Auch Battlefield 3 greift einen realen politischen Konflikt auf: den zwischen den USA und dem Iran. Das Spiel sagt einen Krieg zwischen beiden Staaten im Jahr 2014 voraus.

Gründe genug, sich näher mit Battlefield 3 zu beschäftigen – allerdings eben nicht so, wie es für ein Videospiel üblich ist.[8] Fachmagazine schreiben viel über Grafik, Sound und Gameplay. Und wenn über virtuelle Spiele in Nachrichten-Medien berichtet wird, dann kreist die Debatte in Deutschland oft nur um die Frage der dargestellten Gewalt. Was die Spiele für politische Aussagen verbreiten, spielt in der öffentlichen Diskussion kaum eine Rolle. Es wird über äußere Formen, nicht aber über den Inhalt der Videospiele diskutiert.[9] Dabei sind die in den Spielen erzählten Geschichten oft hochbrisant – wie Sebastian Biemann in seinem Leserbrief richtig bemerkt, gilt dies auch für Battlefield 3.

Der folgende Text befasst sich daher vor allem mit dem Inhalt von Battlefield 3 – will diesen auch nicht-Spielern zugänglich machen – und geht darüber hinaus auch noch auf die Produktion und Vermarktung des Videospiels ein. Im ersten Teil wird die Geschichte des Spiels Level für Level wiedergegeben. Anschließend werden einzelne Punkte der Geschichte aufgegriffen und genauer erläutert: Welche Feindbilder vermittelt das Spiel? Welche Helden werden geschaffen? Dazu soll auch ein Blick auf den Multiplayer- und auf den Kooperations-Modus des Spiels geworfen werden. Darüber hinaus wird auch die Authentizität von Battlefield 3 und die Zusammenarbeit der Spielentwickler von DICE mit dem realen Militär Thema sein. Weitere Abschnitte beschäftigen sich mit dem Battlefield-eigenen Social-Network „Battlelog“, der so spektakulär wie umstrittenen Vermarktungsstrategie von Electronic Arts und dem für das Spiel geltenden Jugendmedienschutz. Am Ende folgt ein kritisches Fazit.[10]


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INHALTSVERZEICHNIS

1. Die Story
1.1 Einzelspieler-Kampagne
1.2 Multiplayer-Level
1.3 Kooperations-Modus

2. Der Hintergrund
2.1 Feindbilder
2.2 Heldentum
2.3 Realer Iran-Konflikt

3. Die Produktion
3.1 Zwischen Realität und Virtualität
3.2 Verbindungen zum Militär
3.3 Battlelog

4. Die Vermarktung
4.1 Werbekampagne
4.2 Jugendmedienschutz

5. Fazit: „Battlefield 3 – Das virtuelle Schlachtfeld“

 

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Anmerkungen:


[1] Biemann, Sebastian: Ich spiele da nicht mit!, in: GameStar 09/2011, S. 92.

[2] Linken, Andre: Battlefield 3 – Shooter bricht Verkaufsrekord in Deutschland, in: www.gamestar.de, 16. November 2011 – letzter Zugriff am 23. November 2011.

[3] Ebenda.

[4] Linken, Andre: Battlefield 3 – Bereits fünf Millionen verkaufte Exemplare, in: www.gamestar.de, 1. November 2011 – letzter Zugriff am 25. November 2011.

[5] Schneider, Christian: Battlefield 3 – Verkaufszahlen klettern auf 8 Millionen, in: www.gamestar.de, 30. November 2011 – letzter Zugriff am 30. November 2011.

[6] Balg, Björn: Die am meisten illegal heruntergeladenen Spiele 2011, in: www.eurogamer.de, 2. Januar 2012 – letzter Zugriff am 20. Februar 2012.

[7] Stahl, Roger: Militianment, Inc. – War, Media and Popular Culture, New York 2010, Seite 100f.

[8] Im Herbst 2011 kam es unter Videospiel-Fachjournalisten zum offenen Streit um die Zukunft der Videospielkritik. Christian Schmidt, langjähriger Autor und zuletzt auch stellvertretender Chefredakteur beim Magazin GameStar, machte dabei den Anfang und ging in einem Gastartikel auf Spiegel-online hart mit der aktuellen Videospielkritik ins Gericht. In den Artikeln würde die Funktionsweise der Spiele zwar bis ins Detail beschrieben (etwa die verschiedenen Waffen in First-Person-Shootern) und darüber geurteilt, es fehlten aber Urteile über den „ökonomische[n], politische[n], ethische[n], künstlerische[n] und gesellschaftliche[n]“ Gehalt der Spiele. Der vorliegende Artikel über Battlefield 3 kann als Versuch gesehen werden, auf die Kritik Christian Schmidts einzugehen, auch wenn dieser Text wohl nie in einem populären Videospiel-Magazin wie der GameStar abgedruckt werden dürfte; Schmidt, Christian: Mehr Geist bitte, liebe Games-Tester, in: www.spiegel.de, 6. September 2011 – letzter Zugriff am 4. Februar 2011.

[9] Schiffer, Christian: Machtspiele im digitalen Sandkasten – wie politisch sind Computerspiele?, in: Inderst, Rudolf Thomas/Just, Peter (Hrsg.): Contact – Conflict – Combat – Zur Tradition des Konflikts in digitalen Spielen, Boizenburg 2011, S. 71.

[10] Für diese Studie wurde Battlefield 3 – die überall erhältliche „Limited Edition“ für die Playstation 3 – mehrmals durchgespielt und das gesamte Spiel auch als Video aufgenommen. Für die Recherche wurde außerdem auf die englischsprachige Version des von Spielern und Fans erstellten „Battlefield Wiki“ zurückgegriffen (siehe N. N.: Battlefield Wiki – Battlefield 3, Bad Company 2, Weapons, Levels, Maps, Characters and more!, in: www.battlefield.wikia.com – letzter Zugriff am 30. Januar 2012). Weitere Quellen befinden sich in den Fußnoten.

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