IMI-Standpunkt 2009/041- in: AUSDRUCK (August 2009)

Lesetipp: Krieg als Popkultur

Die neu gestaltete "Y"

von: Andreas Seifert | Veröffentlicht am: 6. Juli 2009

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Die Runderneuerung des Bundeswehrmagazins „Y“ ist die gelungene Antwort auf die verkürzten Aufmerksamkeitsspannen seiner Soldaten: Kleinteilig und Bunt.
Seit 2001 hat die Bundeswehr mit dem Magazin Y versucht, seinen Soldaten, Reservisten und deren Angehörigen ein „zeitgemäßes“ Informationsangebot zu liefern. Jetzt ist der „optische Auftritt in die Jahre gekommen“ (Editorial, 6/2009) und wird durch ein Konzept ersetzt, das noch weiter auf Text verzichtet und Themen modern in kleine und kleinste Häppchen zerlegt.

In der ersten Ausgabe wird erläutert, wie man sich das in Zukunft vorstellt: Kraftvoll soll der erste Eindruck sein.* Mit markigen Titelbildern soll der Grundton eines Heftes gesetzt werden. Bunt, aber eben zeitgemäß bunt, soll die Sache sein. Weg mit dem alten (Post-)Gelb, dem Relikt einer Zeit, in der man noch Y mit Yellow verlängerte. Das neue Gelb ist ein Gold: „eine Farbe der Ehre, die dem Heft Ruhe und Seriosität verleihen darf“. Markige Farben auch sonst: Schwarz-grün, „erinnert an militär-typisches Oliv“; Grün, „ein Schuss Natürlichkeit und Freundlichkeit“; und das dominante Blau, „kühl, hart, klar“. Eingeschobene Infokästen, Zitate und vor allem Infografiken sollen die Texte ergänzen und die Seiten auflockern. Also wird, wo immer möglich, der Text um Infografiken, Witzchen und Banalitäten ergänzt: „Die P-3C ist kein neuer 2-Komponentenkleber, sondern …“ (das Flugzeug, welches auf den vorhergehenden vier Seiten eingehend besprochen wurde)(6/2009, S. 46). Der Versuch, sich der Zielgruppe anzunähern gerät hier und da ein bisschen aus dem Ruder. So lautet die Eingangsfrage zum Faktenblock „Rohstoffkrise“: „Wird mein Handy unbezahlbar?“ (6/2009, S. 52). Das mag als gewollter Lacher eingeplant gewesen sein, geht jedoch hier und da nach hinten los und nimmt dem Blatt die Seriosität.
Das Maß zu finden, in dem Grafik, Fotos, Info-Kästen und Fließtext in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen misslingt leider zu oft. Poppige Elemente zerschießen den Seitenaufbau zur Unkenntlichkeit und den Anschluss des Textes findet nur der Geübte. Sich überlagernde Elemente und oftmals aufgeblasene Typographie unterstützen diesen Effekt (besonders misslungen: 6/2009, S. 82/83).

Inhaltlich ist die Y übrigens so gut (oder schlecht) wie die alte – die Tendenz zu noch kürzeren Texten, verkürzt auch das ein oder andere Argument oder dient als Vorwand, eine mögliche Kritik komplett unter den Tisch fallen zu lassen. Weiterführende Links und Literaturhinweise gibt es nur dort, wo dies zielführend erscheint – d.h. bei einem Beitrag über schnelle Motorräder, aber nicht bei komplexen Themen der Politik, sei es Afghanistan oder die Flüchtlingsproblematik. Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass die Y sich nicht als Sprachrohr der Regierung begreift – und doch lässt sie es manchmal lieber offen, wie die Berliner Position ist. Der Beitrag zu Georgien ist hierfür ein schönes Beispiel (7/2009, S. 10-15). So wird zwar betont (in einer Extra-Spalte versteht sich), dass die USA auch unter Obama Georgien und andere osteuropäische Länder darin unterstützt, Mitglied in der NATO zu werden, was auf Widerstand der Russischen Föderation trifft – aber auf den Verweis auf die ablehnende/abwartende Haltung der Bundesregierung zu diesem Thema wartet man vergebens. Besser noch: Infokasten sei Dank wird auf Seite 14 dann unter der Frage „Was ist die deutsche Position?“ umfassend aufgeklärt. Der Gesamttext lautet: „Deutschland war der erste Staat, der 1992 in Tiflis (Tbilisi) eine Botschaft eröffnete. Es unterstützt aktiv die Vermittlungsbemühungen um eine politische Lösung des Abchasienkonflikts.“ Wie und wo erfährt man leider nicht. Im Gegensatz hierzu erfährt die russische oder die amerikanische Position deutlich mehr an (einseitiger) Aufmerksamkeit. Es bleibt der Eindruck, als hängt die Y noch überkommen Feindbildern aus dem Kalten Krieg nach.
Da kann man nur mit dem Werbespruch der Zeitschrift selbst beipflichten: „Näher am Geschehen sind nur unsere Soldaten im Einsatz“ – oder: die Bundeswehr wird hier vielleicht schneller im Einsatz sein, als ihr lieb ist und die Y wird uns dann über die technischen Tücken dieses Einsatzes aufklären. Die Aufteilung in „politische Themen“ und die „Bundeswehr im Einsatz“ bildet dabei einen vor allem auch stilistischen Bruch ab. Ist die Bundeswehr erst einmal vor Ort, erübrigt sich das Hinterfragen der Einsatzziele von selbst und der Text konzentriert sich auf die Wiedergabe konkreter Einsatzerfahrungen. Der Beitrag über die Bundeswehr in Afghanistan käme auch ohne den Hintergrund Afghanistan aus – ein beliebiges Lager in einem beliebigen Land reicht völlig: „Hauptfeldwebel Jonas Hecke** erläutert: Vor dem Einsatz haben wir eine umfangreiche fachliche Ausbildung in den Gefechtsarten Angriff, Verteidigung und Verzögerung erhalten. Dazu einsatzspezifische Lehrgänge sowie die Ausbildung Kampf in schwierigem Gelände.“ Die Thematisierung der Isolation der kämpfenden Truppe in Afghanistan unterbleibt wie vieles andere auch. Ersetzt wird dies durch die Schilderung von Tagesabläufen. Sogar der Bundeswehr sollte es zweifelhaft erscheinen, Analysen durch Bekenntnisse zu ersetzen und Informationen wie Puzzleteile anzubieten, statt sie in Argumentationen zu integrieren.

Im Fazit ist die neue Y ein hübsches Magazin für alle, die keine Zweifel an der Politik und am Militär haben wollen. Sie ist moderner und poppiger geworden und hinterlässt mehr den Eindruck eines überladenen Internetportals, als den einer Zeitschrift. Der Internetauftritt der Zeitschrift kommt übrigens deutlich biederer daher. Dort fällt dann auch auf, wie kurz die Texte wirklich sind. Optisch wird der Webauftritt aber sicher auch bald verändert: „Auch die Medien der Truppeninformation müssen sich immer wieder der Frage stellen, wie sie noch besser und ansprechender dazu beitragen können, die Staatsbürger in Uniform umfassend über ihre Bundeswehr zu informieren.“ (Dr. Franz Josef Jung, Minister, Y, 6/2009, S. 7).

* Y, Ausgabe 6/2009, S. 6-7. Online ist die Y ebenfalls einsehbar (www.y-punkt.de), die hier angesprochen „Erklärung“ findet sich als PDF: http://www.y-punkt.de/fileserving/PortalFiles/02DB131000000001/W27SEKYD328INFODE/die_neue_y.pdf

** Name zum Schutz des Kameraden geändert

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