IMI-Standpunkt 2009/014

Die Deutsch-französische Brigade in Müllheim


von: Tobias Pflüger | Veröffentlicht am: 14. Februar 2009

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Bei ihrem Gipfeltreffen 1987 einigten sich Helmut Kohl und François Mitterrand einen gemischten Verband aufzustellen, die Deutsch-Französische (DF) Brigade. Die Einheit wurde schließlich 1990 in Dienst gestellt und 1992 der Stab ins baden-württembergische Müllheim verlegt. 1993 wurde die Brigade in das im selben Jahr ins Leben gerufene Eurokorps eingebunden. Beim Eurokorps handelt es sich um einen Multinationalen Militärverband mit insgesamt etwa 60.000 Soldaten, an dem sich Deutschland, Frankreich, Belgien, Spanien und Luxemburg beteiligen. Die etwa 5.000 Soldaten der DF-Brigade sind in Baden-Württem­berg an den drei Standorten stationiert: in Donaueschin­gen, Immendingen und Müllheim. Müllheim ist zudem Sitz des Stabes der DF-Brigade mit der Stabskompanie und des Deutsch-Französischen Versorgungsbataillons.

Das Eurokorps (und damit auch die DF-Brigade) kann sowohl von der EU als auch der NATO genutzt werden: „Das Korps wird der NATO und der Europäischen Union dienen. Dabei erlaubt die Ausstattung sowohl autonome Einsätze als auch die Koordinierung von multinationalen Truppen.“[1] Konkrete Einsätze fanden bislang zwar lediglich im NATO-Rahmen statt, es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, bis die DF-Brigade auch unter europäischer Flagge in den Krieg ziehen wird. Von ihrem Fähigkeitsprofil gehört die Einheit zur Speerspitze der westlichen Interventionstruppen, die sich durch hohe Flexibilität und schnelle Verlegbarkeit auszeichnen und für die intensivsten Kriegseinsätze vorgesehen sind. „Folgende Anforderungen hat die Deutsch-Französische Brigade künftig zu erfüllen:

– Die Fähigkeit, als Vorausverband des Eurokorps eingesetzt zu werden

– Eine logistische Durchhaltefähigkeit von 30 Tagen […]

– Eine Einsatzbereitschaft binnen 5 bis 10 Tagen für luftverlastbare Vorauskräfte und binnen 10 bis 20 Tagen für die restlichen, voll verlegbaren Folgekräfte

– Die Fähigkeit, zusätzliche multinationale Beiträge, vorzugsweise aus anderen Nationen des Eurokorps, aufzunehmen.“[2]

Speerspitze des EU-Militarismus

Die Deutsch-Französischen Brigade war das erste gemeinsame Projekt der Euro­päischen Union, um eine gemeinsame mili­tärische Komponente der EU herauszubilden: „Die Schaffung der Deutsch-Französischen Brigade war ein erster Schritt bei der Formung eines einigen Europas im militärischen Bereich. [Sie fungiert] als Kern der europäischen Landstreitkräfte.“ Im zweiten Halbjahr 2008 bildete die DF-Brigade den größten Teil einer der europäischen Kampftruppen (Battlegroups): „Damit kann die Brigade einen wesentlichen Beitrag zur schnellen militärischen Reaktionsfähigkeit der Europäischen Union leisten.“ Von den 2.300 deutschen, französischen, belgischen, spanischen und luxemburgischen Soldaten stellte die Brigade 1.600. Sie müssen „jederzeit in der Lage sein, innerhalb weniger Tage weltweit zum Einsatz zu kommen.“[3] Auch wenn die DF-Brigade, wie bereits erwähnt, noch nicht für die Europäische Union in den Krieg zog, von ihrer ganzen Ausrichtung her wird dies früher oder später der Fall sein. Im NATO-Rahmen war die Einheit ohnehin schon in zahlreiche Einsätze involviert.

NATO-Einsätze

Die Beziehungen zwischen dem Eurokorps und der NATO wurden im SACEUR-Abkommen vom 21. Januar 1993 geregelt. In diesem Abkommen finden sich Ausführungen über die Aufträge des Eurokorps im NATO-Rahmen, die Kompetenzen bezüglich der Einsatzplanung und die Unterstellung des Eurokorps unter eine NATO-Kommandobehörde. Im Prinzip war damit sichergestellt, dass das Eurokorps für NATO-Einsätze zur Verfügung steht.

Unter NATO-Flagge nahm die DF-Brigade bereits an zahlreichen Einsätzen teil: „1996 stellte die Brigade Kräfte für den IFOR-Einsatz in Kroatien und ab 1997 und fortlaufend Kräfte für den SFOR-Einsatz in Bosnien, wo das JgBtl 292 durch einen Schießunfall während des Einsatzes im 2. SFOR-Kontingent zwei Kameraden verlor und einen schwerverletzt in die Heimat überführen musste. Vom November 1997 – März 1998 waren 30 Soldaten der 4. Kompanie des JgBtl 292 als Sicherung des Befehlshabenden Generals eingesetzt, wo sie zur Umsetzung des Friedensvertrages von Dayton an sämtlichen Treffen der Regierungschefs als letzter Sicherungsring teilnahm. 1999 folgte ein Einsatz in Ohrid (Mazedonien). Die Soldaten der 3. Kompanie des JgBtl 292 waren die ersten Soldaten, die ihren Fuß von Mazedonien in den Kosovo setzten und damit den KFOR-Einsatz starteten. 2000 leistete die Brigade Katastrophenhilfe bei der Beseitigung der Folgen der Havarie des Tankers Erika vor der bretonischen Küste. 2000/2001 wurde die Brigade erneut in den SFOR- bzw. KFOR-Einsatz geschickt. […] 2002/2003 stellte die Brigade den Leitverband des 6. Einsatzkontingent SFOR und war an der TFF / OAH (Task Force Fox, Mazedonien) beteiligt und stellte Kräfte für KFOR, ISAF (Afghanistan) und die Operation Enduring Freedom. 2004/2005 führte der Verband die Multinationale Brigade in Kabul im Rahmen von ISAF.“[4]

Die DF-Brigade ist darüber hinaus ein wesentlicher Bestandteil der Schnellen NATO-Eingreiftruppe (NATO Response Force, NRF). Für das erste NRF-Manöver, „Steadfast Jaguar“, bei dem die „Rückeroberung“ einer Insel vor der ölreichen Küste Westafrikas geprobt wurde, stellte die DF-Brigade 1.200 der insgesamt 6.500 Soldaten. 2006/2007 stellte die Deutsch-Französische Brigade dann den Kern der Landstreitkräfte der NATO Response Force und im Januar 2009 rückten Teile der Brigade erneut in den Kosovo aus.

Steilvorlage für die Gipfelproteste

Die Deutsch-Französische Brigade ist ein wesentlicher Bestandteil sowohl der EU-Militärkomponente als auch der NATO. Aufgrund der räumlichen Nähe seines Hauptquartiers mit Sitz in Müllheim zu den Austragungsorten des NATO-Gipfels im April 2009 bietet sich die Brigade geradezu an, um dort den Protest gegen den westlichen Militarismus auch regional sichtbar zu machen.

Anmerkungen

[1] BMVg: Eurokorps, 27.07.2007, URL: http://tinyurl.com/979gm9
[2] Homepage der Deutsch-Französischen Brigade, URL: http://www.df-brigade.de/site_de/indexd1.htm
[3] Ebd.
[4] Deutsch-Französische Brigade, wikipedia, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Französische_Brigade

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