IMI-Standpunkt 2007/008

Märklin macht mobil

Der Göppinger Spielwarenhersteller produziert erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder Kriegsspielzeug - mit einer perfiden Begründung

von: Jürgen Wagner | Veröffentlicht am: 5. Februar 2007

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Ganz genau scheint sich die Göppinger Spielwarenfirma Märklin die offiziellen Begründungen der deutschen Kriegspolitik abgeschaut zu haben: „Wir führen in Afghanistan keinen Krieg, sondern wir sind von der afghanischen Regierung eingeladen worden“, betonte der CDU-Abgeordnete Ruprecht Polenz während der Bundestags-Debatte am 19. Januar in völliger Verkennung der Realitäten vor Ort. Sein Bundestagskollege Ole Schröder, ebenfalls CDU, ging noch weiter: „Missionen wie zum Beispiel in Nordafghanistan und im Kongo sind eindeutig Entwicklungshilfe.“ Da es sich hierbei schließlich um rein humanitäre Kriege handele, sollten diese gefälligst auch aus dem Entwicklungshilfe-Etat bezahlt werden, hierdurch wäre zudem – wie geschickt – der Rüstungshaushalt „in Millionenhöhe entlastet.“

Derartig inspiriert kündigte das Traditionsunternehmen auf der Nürnberger Spielwarenmesse die neue Produktlinie „Metal Military Mission by Märklin“ an, womit erstmals seit 1945 wieder Kriegsspielzeug in die Produktpalette aufgenommen wurde, u.a. der Kampfpanzer Leopard 2. Die Firma wurde im Mai 2006 von einer britischen Beteiligungsgesellschaft aufgekauft, die offensichtlich (noch) weniger Sensibilitäten gegenüber der Vergangenheit deutscher Kriegspolitik an den Tag legt, als die einheimische Wirtschaft. Dies legt zumindest die perfide Begründung des neuen Geschäftsführers Ulrich Dietz nahe: „Die Bundeswehr steht für humanitäre Einsätze.“ Da sich Deutschland ausschließlich im Sinne der Menschenwürde betätige, stehe dem Verkauf deutscher (Spielzeug)Panzer schließlich nichts mehr im Wege (siehe Südwestpresse, 3.2.2007).

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Märklin liegt damit voll im Trend. In gekonntem orwellschen Neusprech lautet das Motto der am kommenden Wochenende stattfindenden Münchner Sicherheitskonferenz, auf der die nächsten „humanitären“ Kriege eingetütet werden, „Frieden durch Dialog“. Die dort alljährlich verliehene „Friedensmedaille“ wird ausgerechnet der EU-Außenbeauftragte Javier Solana erhalten, einer der maßgeblichen Architekten der Militarisierung der Europäischen Union. Dass der NATO-Befehlshaber in Afghanistan David Richards, dem auch die deutschen Truppen unterstellt sind, den dortigen Einsatz als „aggressive Aufstandsbekämpfungsoperation“ bezeichnet, zeigt allerdings deutlich die Kluft zwischen der Realität des Profits und der der Menschen.

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