Quelle: Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V. - www.imi-online.de

IMI-Standpunkt 2007/31

Rede von Martin Spreng auf dem Ostermarsch in Calw, 7.4.2007

Martin Spreng (31.12.2006)

– Es gilt das gesprochene Wort! –

Liebe Friedensfreundinnen und Freunde,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

ihr habt nun ein Stück unseres kleinen Calws kennen gelernt (wenn ihr heute zum ersten Mal da wart). Eine Stadt die weltberühmt war durch ihren friedlichen globalen Handel und noch berühmt ist, durch den Schriftsteller Hermann Hesse, dem Verfasser von „Steppenwolf“, dem „Glasperlenspiel“ oder „Siddharta“.

Der Anfang eines Zitates von ihm stand vor einigen Jahren, als das Kommando Spezialkräfte aufgebaut wurde, auf dem Aufruf zum damaligen Ostermarsch – und es ist nicht falscher geworden. Ganz im Gegenteil, die harmlose Eliteeinheit KSK, die zur Evakuierung Deutscher aus Krisengebieten aufgestellt wurde – so wollte man uns weismachen – ist eine kämpfende Geheimtruppe – wie wir es damals schon befürchtet hatten – ohne wirkliche demokratische Parlamentarische Kontrolle. Und dies, „die uneingeschränkte Kontrolle der Streitkräfte durch das Parlament“, ist eines der Grundprinzipien laut dem ehemaligen General de MaiziŠre.

Was stand nun in dem Zitat von Hesse? “ Ein Krieg kommt nicht aus dem blauen Himmel herab, er muss gleich jeder andern menschlichen Unternehmung vorbereitet werden, er bedarf der Pflege und Mitwirkung vieler, um möglich und wirklich zu werden. Gewünscht aber, vorbereitet und suggeriert wird er durch die Menschen und Mächte, denen er Vorteil bringt. Er bringt ihnen entweder direkten baren Geldgewinn wie der Rüstungsindustrie (und sobald Krieg ist – wie unzählige, vorher harmlose Gewerbe werden da zu Rüstungsgeschäften, und wie automatisch strömt das Kapital diesen Geschäften zu!), oder er bringt ihnen Gewinn an Geltung, Achtung und Macht wie etwa den stellenlosen Generälen und Obersten“. [Zitat Ende.]

In der Tat, man muss sich nur einmal die Zahlen des Rüstungsriesen EADS anschauen. Das ist diese Chaotenmanagertruppe mit dem Airbus, die es nicht mal organisieren kann, dass in zwei Betrieben dieselbe Software benutzt wird.

Im vergangenen Jahr flossen 2,5 Mrd. Euro an diesen Konzern für Rüstungsgerät, in diesem Jahr wird es die gleiche Summe werden. Noch immer verschlingen davon die Jagdflugzeuge Eurofighter (die Zahlen stammen übrigens aus dem Schwabo). Deren Kosten zerren seit zwei Jahrzehnten am Etat und verschlingen immense Geldmittel. 180 Maschinen sind bestellt. Vom Kampfhubschrauber Tiger sind 86 Stück bestellt, 134 Exemplare des taktischen Transporthubschraubers Typ NH 90 sind auf dem Bestellzettel. Vier bestellte Fregatten, die auf dem Weltmarkt geschätzte 1,7 Mrd. kosten, werden von den Monopolisten EADS und >Thyssen Krupp Marine Systems< mit 2,2 Mrd. in Rechnung gestellt. Veraltertes Kriegsgerät wie die Rakete Pars 3, die konzipiert wurde als Panzerabwehrgeschoss als es die Sowjetunion noch gab, wurde im vergangenen Jahr bei EADS bestellt als Hauptbewaffnung des Tigers, obwohl der Hubschrauber vor allem in panzerlosen Krisenregionen wie Afghanistan zum Einsatz kommt. Kosten: 378,9 Mio. Euro.

Und da kommt doch einem naiven Gewerkschafter wie mir irgendwie die Diskussion über den armen Staat in den Sinn, der kein Geld hat für genügend Lehrer und Ganztagesschulen, der kein Geld mehr hat um die sozialen Sicherungssysteme zu finanzieren und deshalb gezwungen ist eine Gesundheitsreform, eine Rentenreform und bald auch eine Pflegeversicherungsreform durchzuführen, nicht gerade zu Lasten der besser verdienenden Bevölkerung . Mir kommen da die täglichen Berichte in den Sinn über würdeloses Ausspionieren von Hartz IV – Empfängern. Um dem Staat ein paar Euro zu sparen, werden die Zahnbürsten von zwei Menschen kontrolliert ob sie zu eng beieinander stehen um sie dann zur Bedarfsgemeinschaft erklären zu können.

Liebe Friedensfreundinnen und Freunde.

Wir brauchen kein Kommando Spezialkräfte,

wir brauchen dringend ein Kommando Sozialkräfte!

Und wir brauchen Politiker die den Artikel 1 Grundgesetz beherzigen: „Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu den unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt“

. mehr will ich eigentlich gar nicht.

Liebe Ostermarschierer,

die veröffentliche Meinung schreibt ja immer, dass die Friedensbewegung tot sei und solche Demos wie die heute, eigentlich überholte Rituale seien, die nichts bringen. Ich sage euch, wir können stolz darauf sein, dass wir immer wieder auf die Militarisierungstendenzen in unserem Lande hingewiesen haben.

Es ist mit unser Verdienst, dass die Bevölkerung gegen einen Einsatz im Irak war und es ist unserem Engagement zu verdanken, dass so viele Abgeordnete einem Einsatz der Tornados in Afghanistan nicht zugestimmt haben. Wir haben informiert, wir haben protestiert und wir haben Druck gemacht.

Lassen wir uns nicht ins Boxhorn jagen, wir sind der Sauerteig.

Wir sind mehr!

Mehr als es einigen Politikern und Unternehmensbossen lieb ist.

Liebe Friedensfreundinnen und Freunde,

das kleine Calw war heute zum dritten Mal Ort eines Ostermarsches. Es hat durch Hermann Hesse, einem unermüdlichen Mahner für den Frieden, seinen weltweiten Ruf.

Wir stehen in seiner Tradition.

Ich wünsche uns ein friedliches Osterfest,

ein friedliches Europa,

eine friedliche Welt!

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