IMI-Standpunkt 2006/052, Interview in: anti atom aktuell

Zur Sache kommen!


von: Claudia Haydt / Interview / anti atom aktuell | Veröffentlicht am: 29. Juni 2006

Drucken

Hier finden sich ähnliche Artikel

aaa-Interview mit Claudia Haydt, IMI

Claudia, Du warst eine von drei ReferentInnen auf dem Podium der Iran-Veranstaltung auf dem BuKo. Zum Thema des Abends hatten wir in der letzten Ausgabe aaa 171 ausführliche Darstellungen. Deshalb an Dich jetzt nur einige Fragen zum Verlauf der Diskussion:

– Von einer Zuhörerin kam die Aufforderung, das Podium solle endlich zum Thema kommen, nachdem Ihr anderthalb Stunden dies und das geredet hättet. Hältst Du die Kritik für berechtigt?

Claudia: Nein. Was Du „dies und das“ nennst, waren Energiefragen, Atomprogramme, regionale und globale Machtambitionen, die Politik der Regierung Ahmadinedschad; Islam und Islamismus und die Situation von Frauen. Mit anderen Worten: wir haben wie angekündigt über den Iran gesprochen. Die Zuhörerin wollte aber offensichtlich die Bedrohung des Staates Israel in den Mittelpunkt stellen.

– Was ja auch ein Teil des internationalen Konflikts ist!

Claudia: Sicher. Deswegen habe ich in meinem Beitrag ja darauf hingewiesen, daß eine Entspannung des Konflikts in der Region ohne umfangreiche Abrüstung aller Beteiligten und ohne Sicherheitsgarantien insbesondere auch für Israel unmöglich ist. Explizit erwähnt hatte ich dabei auch die Forderung an die iranische Regierung, den Staat Israel anzuerkennen. Von bewusstem Ausklammern dieses Themas kann wohl nicht gesprochen werden.

– Ich glaube, was vom Podium eingefordert wurde, war eine Stellungnahme zu Ahmadinedschads antisemitischen Äußerungen. Mit Deiner Stellungnahme hast Du ja für reichlich Tumult gesorgt.

Claudia: Das trifft für einen Teil des Publikums zu; leider waren einige trotz Versuchen meinerseits anschließend nicht bereit, darüber zu diskutieren – während über dreißig Personen sich im Anschluß direkt bei mir für die differenzierte Argumentation bedankt haben. Die kritisierte Äußerung „Ich weiß nicht, ob Mahmud Ahmadinedschad ein Antisemit ist“, war lediglich der erste Teil einer längeren Argumentation.

– Weißt Du es wirklich nicht?

Claudia: Ahmadinedschad ist ein Populist, der nicht für antisemitische Positionen, sondern für seine sozialpolitischen Versprechungen gewählt wurde. Er spricht vor allem ein nationales und regionales Publikum an und nutzt dabei die westlichen Reaktionen geschickt für seine Selbstinszenierung. Das ungeheure Echo auf seine Äußerungen am jährlichen Jerusalemtag ermöglichte es ihm, von seinen innenpolitischen Problemen bei der Einlösung seiner vollmundigen Versprechungen abzulenken und sich als „Held“ zu stilisieren.

– Siehst Du den iranischen Präsident als Opfer verleumderischer Darstellung?

Claudia: Egal, wie die Reden des Präsidenten medial zugespitzt wurden: als Kern bleibt ein gefährliches Spiel mit antisemitischen Ressentiments, die vor allem im Westen verfangen. Dazu kommt – aus meiner Sicht als inhaltlicher Kern seiner Rhetorik – eine antizionistische Hetze, mit der er auf Beifall in der Region Naher und Mittlerer Osten zielt. Von beiden Inhalten kann ich mich nur distanzieren. Ich sehe jedoch die Gefahr, dass durch eine Zuspitzung auf das Thema Antisemitismus der kommende Krieg legitimiert, und daß vor allem die deutsche Geschichte relativiert wird.@

Ähnliche Artikel