IMI-Standpunkt 2006/045

Afghanistan steht vor einem „blutigen Sommer“


von: Jürgen Wagner | Veröffentlicht am: 4. Juni 2006

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Angesichts der Forderung der Friedensbewegung, die Besetzung Afghanistans sofort zu beenden und die deutschen Truppen abzuziehen, da diese keinerlei konstruktiven Beitrag spielen würden, ging der Verteidigungsexperte und sicherheitspolitische Sprecher der Grünen, Winfried Nachtwei, mit einer scharfen Anklage in die Offensive: „Völlig negiert wird, dass die Stabilisierung und Friedensförderung in Afghanistan von den Vereinten Nationen mandatiert und unterstützt wird und dass sich ein nicht unwichtiges VN-Mitglied wie die Bundesrepublik nicht einfach einseitig aus diesem Prozess verabschieden kann. Die Friedensverbände fordern das aber – und reden damit einer anderen Art von destruktivem Unilateralismus das Wort, ausdrücklich nichtmilitärisch, aber indirekt gewaltfördernd.“ Die Realität vor Ort zeigt dabei eindeutig, welche Position der Wahrheit entspricht.

Der US-Botschafter in Kabul, Ronald Neumann, prophezeit bereits einen „blutigen Sommer“, der sich schon jetzt durch vermehrte Anschläge ankündigt. Markus Kneip, Kommandoführer über ISAF-Nord gibt an, die Lage sei „eindeutig nicht ruhig und nicht stabil.“ Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die Mehrheit der Afghanen die Besatzer lieber heute als Morgen aus dem Land jagen wollen und immer mehr inzwischen auch bereit sind für dieses Ziel zu den Waffen zu greifen. Selbst der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, räumt dies offen ein: „Wir haben uns getäuscht in der Resonanz unserer Bemühungen. Kabul ist nicht nur die Region, in der wir heftig präsent sind, sondern die auch am meisten profitiert hat. Wenn da ein Ereignis wie ein Verkehrsunfall genügt, um eine Kettenreaktion auszulösen, dann ist die Annahme, die Masse der Bevölkerung stünde hinter Präsident Hamid Karsai und den Isaf-Truppen, nicht ganz zutreffend. Es sind nicht nur wenige entschlossene Terroristen, die uns bedrohen. Viele Afghanen stehen als Unterstützer zur Verfügung.“

Angesichts dieser offenen Worte kann man Nachtwei und all denen, die weiterhin für die Aufrechterhaltung der Besetzung Afghanistans eintreten, attestieren, dass sich ihre Position als destruktiv, ausdrücklich militärisch und eindeutig gewaltfördernd erweist.

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