IMI-Standpunkt 2006/024

Ulmer EU-Kommando auch im Kongo-Militäreinsatz involviert

Andenken an Deserteure in Ulm unterstützen

von: Tobias Pflüger | Veröffentlicht am: 27. März 2006

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Im Rahmen meiner derzeit laufenden Rundreise zu verschiedenen Militärstandorten, die für die Auslandseinsätze der Bundeswehr und EU-Truppen relevant sind, stattete ich in meiner Funktion als Europaabgeodneter am Montag den 27.03.2006 dem „Kommando Operative Führung Eingreifkräfte“ in der Ulmer Wilhelmsburgkaserne einen Truppenbesuch ab.

Das „Kommando Operative Führung Eingreifkräfte“ in Ulm ist ein hochmobiles operatives Hauptquartier (im Militärjargon: Force Headquarter / (FHQ)), das Einsätze im Einsatzland führen wird. Das FHQ ist direkt dem so genannten Operation Headquarter (OHQ) untergeordnet, wie im Einsatzführungskommando in Potsdam eines von derzeit drei innerhalb der EU vorgehalten wird. Weltweite EU-Militäreinsätze sind ohne das „Kommando Operative Führung Eingreifkräfte“ nicht möglich. Es soll aber auch grundsätzlich zusätzlich für NATO-Militäreinsätze zur Verfügung stehen.

Seitens des kommandieren Befehlshaber Generalmajor Jan Oerding wurde bestätigt, dass von Ulm weltweite EU-Militäreinsätze geführt werden sollen. Schon jetzt, bei der Führung des geplanten EU-Militäreinsatzes im Kongo, wird das Ulmer Kommando personell vertreten sein. Mehrere Verbindungsoffiziere werden für den Kongo-Einsatz in das zuständige militärisch-strategische EU-Hauptquartier (OHQ) im Potsdamer Einsatzführungskommando abgestellt.

Begleitet wurde ich bei diesem Informationsbesuch, der im Rahmen einer Rundreise zu verschiedenen für deutsche und EU-Militäreinsätze relevanten Standorten stattfand, von Johanna Nimrich, Mitglied der Ulmer Friedensbewegung. Sie meinte, dass es eindrücklich belegt wurde, dass in der EU-weiten Hierarchie der militärischen Befehlsstruktur das Ulmer Kommando eine bedeutende Position einnimmt.

Im Anschluss an den Truppenbesuch wurde zum Gedenken an die Deserteure vergangener Kriege eine weiße Rose am Ulmer Deserteursdenkmal niedergelegt. Dieses hat nach 20-Jährigen Bemühungen endlich im vergangen Winter einen würdigen Platz an historischer Stelle gefunden, an welcher, während des Nationalsozialismus Erschießungen von Deserteuren stattfanden. Es ist gut und wichtig, dass es Deserteursdenkmäler gibt, denn die besten Soldaten sind immer noch diejenigen, die desertieren.

Um die noch fehlenden 3.000 Euro für den Transport des Denkmals an seinen jetzigen Standort zusammen zu bekommen, stieg ich mit einer Anschubfinanzierung von 10% dieser Summe ein. Hoffentlich fühlen sich jetzt möglichst viele ermutigt, die Restfinanzierung zu decken, um das Andenken an Deserteure auch gerade in der Stadt der Geschwister Scholl zu unterstützen, so Pflüger auf der gut besuchten Abendveranstaltung in der vh (Volkshochschule) Ulm.

Mehr Informationen zum Deserteursdenkmal Ulm: http://www.friedensdenkmal-ulm.de

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