IMI-Standpunkt 2006/009 - in: taz NRW vom 21.1.2006, S. 2

Umwandlung wird zum Problem

Das Land unterstützt Gemeinden, die Militärgelände in zivile Nutzung überführen wollen. Das ist allerdings schwieriger geworden: Gewerbeflächen sind längst keine Mangelware mehr. Oft bleibt nur: Zurück zur Natur

von: Dirk Eckert | Veröffentlicht am: 31. Januar 2006

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Plötzlich ist die Kaserne leer und der Brite weg. Zieht das britische Militär ab, gehen zunächst mal Arbeitsplätze und Kaufkraft verloren. Rund 1,2 Milliarden Euro haben die britischen Truppen eigenen Angaben zufolge in 2001/02 in die deutsche Wirtschaft gesteckt. Auch die Gemeinden in NRW mit Truppenstandorten haben davon profitiert.

Sollte die britische Truppenpräsenz wirklich reduziert werden, könnte auf Erfahrungen der vergangenen Jahre zurückgegriffen werden. „Ein Großteil der britischen Truppen ist schon in den 90ern abgezogen“, so Lars Wirkus, Experte für Liegenschaftskonversion beim Bonn International Center for Conversion (BICC). 50.000 Soldaten von der Insel seien noch Mitte der 1990er Jahre in Nordrhein-Westfalen gewesen, 2002 dann nur noch 13.000. „Danach hat es keine größeren Schließungen britisch genutzter Kasernen mehr gegeben“, so Wirkus.

Den Gemeinden, denen Arbeitsplätze und Kaufkraft verloren gehen, nützt das freilich wenig: „Das Land würde nicht so betroffen sein wie in den 90ern, wohl aber die einzelne Kommune“, weiß Wirkus. Der Konversionsexperte rät diesen Gemeinden, sich frühzeitig um neue Nutzungsmöglichkeiten zu kümmern. Dann sei es auch möglich, die Ausfälle zu kompensieren. Auf diese Weise hätte in den 1990ern zumindest ein Teil der 26.000 weggefallenen Arbeitsplätze ersetzt werden können. Nach einer Umfrage unter den Kommunen wurden 10.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. 25.000 sollten es insgesamt werden, ob die Zahl erreicht wurde, ist bislang nicht ermittelt worden.

Ehemaliges Militärgelände wirtschaftlich zu nutzen, wird allerdings immer schwieriger. Als direkt nach Ende des Kalten Krieges die ersten Soldaten abzogen, waren die Gemeinden häufig sehr froh darüber und wandelten die frei gewordenen Flächen zum Beispiel in Wohnviertel um, erzählt Sabine Nakelski vom NRW-Bauministerium. Heute würden dagegen immer mehr Brachflächen entstehen, für die es keine Nachfrage mehr gebe. „Es gibt einen Brachflächenüberhang“, sagt Nakelski.

Das Bauministerium Nordrhein-Westfalen bietet den Gemeinden schon seit Jahren Hilfe bei der Konversion von militärischem Gelände an. Übernommen werden zum Beispiel Kosten für den Abriss von Gebäuden, den Bau von Straßen oder für Altlastensanierung. Wobei die Umweltverschmutzung „im Vergleich zu Ostdeutschland hier relativ harmlos ist“, sagt Nakelski. Ein Patentrezept, wie man neue Arbeitsplätze schafft, hat die Landesregierung aber nicht. „Die Idee für die neue Nutzung kann nur vom jeweiligen Standort kommen.“ Und nicht immer liegt ein Gelände so, dass wirtschaftliche Nutzung rentabel wäre. „Zurück zur Natur ist in manchen Fällen die beste Lösung“, weiß Nakelski.

In Münster zum Beispiel hat das Interesse der Stadt an Militärflächen schon nachgelassen. Anders als in den 1990ern: Da sollte die britische Kaserne in Münster-Loddenheide geräumt werden. „Ein sehr attraktiver Standort – da war die Stadt Münster sehr scharf drauf“, sagt Sprecher Joachim Schiek. Mit großem Aufwand sei das Kasernengelände in einen Gewerbepark umgewandelt worden. Einige hundert Arbeitsplätze seien auf diese Weise dort entstanden. „Das hat sich gelohnt“, sagt Schiek.

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