Quelle: Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V. - www.imi-online.de

IMI-Analyse 2005/005 - in: AUSDRUCK - Das IMI-Magazin (April 2004)

Militärunternehmen im Irak – die private Seite des Krieges

Dario Azzellini (17.03.2005)

http://www.imi-online.de/download/IMI-Analyse2005-005-DA-PMCsIrak.pdf

Nach dem US-Kontingent, das im Dezember 2004 auf 150.000 Soldaten erhöht wurde, stellen die von den privaten Militärdienstleistern (PMC) gestellten Truppen die zweitstärkste „Armee“ im Irak. Laut Angaben des PMC Custer Battles stehen über 30.000 Iraker und „viele Tausend andere“ im Dienste von PMCs.[1] Die Zahl der für PMCs aktiven Ausländer wird in verschiedenen Quellen auf 6.000 bis 20.000 geschätzt. Schon bei der Invasion im März 2003 wurden viele der hochentwickelten Waffensysteme auf den Kriegsschiffen im Golf von Spezialisten vier verschiedener PMCs bedient, ebenso die Waffensysteme der Predator-Drohnen, Global Hawks und B-2 Stealth-Bomber.[2] Im Irak obliegt es Mitarbeitern von PMCs Patrouille zu laufen, Gebäude und Infrastruktur zu bewachen und für irakische sowie US-Vertreter die Leibwachen zu stellen. Selbst das Personal in den irakischen Militärgefängnissen stammt von privaten Sicherheitsdiensten. So waren auch Mitarbeiter der privaten Sicherheitsdienste Caci und Titan in die Foltervorfälle im Abu-Ghraib-Gefängnis verstrickt. Aber auch Privatunternehmen greifen im Irak auf die Dienste von PMCs zurück.
Die PMCs hören die Bezeichnung „inoffizielle Armee“ nicht gerne. Sie nennen sich lieber Private Guards, Risk Manager, Security Assistants oder ähnliches, die keinesfalls die regulären Soldaten ersetzen, sondern „Sicherheitsaufgaben“ wahrnehmen und nur zu ihrer Verteidigung militärisch agieren. Die Realität sieht freilich anders aus. Gemäß der Strategie der Truppen der „Koalition der Willigen“, die sich im Wesentlichen in Militärcamps verschanzt halten und hin und wieder Luftbombardements oder massive „Strafexpeditionen“ mit großem Militäraufgebot in Städten und Stadtvierteln unternehmen, die nicht gemäß ihren Vorstellungen agieren, ist die Rolle der PMCs immer stärker gewachsen und ihre Tätigkeit riskanter geworden.

In den ersten zwölf Tagen des April 2004, als die irakischen Widerstandskämpfer ihre Angriffe verstärkten, gab General Mark Kimmit die Anzahl der getöteten US-Soldaten mit 70 an. In der gleichen Zeit sollen aber bis zu 80 US-amerikanische PMC-Angestellte umgekommen sein.[3] Gesamtzahlen gibt es nicht. Die in Falludscha am 31. März 2004 getöteten und anschließend von einer Menschenmenge durch die Straßen geschliffenen vier US-Amerikaner wurden in den Medien zunächst als Zivilisten dargestellt. Tatsächlich handelte es sich um vier Krieger der PMC Blackwater USA, die einen Transport eskortierten. Das Unternehmen übernahm aber in der von Widerstandskräften kontrollierten Stadt auch Aktionen „hinter den feindlichen Linien.“ Angehörige von Blackwater USA waren in Falludscha an Feuergefechten und bewaffneten Evakuierungen von verletzten US-Soldaten aus Kampfsituationen beteiligt.

Viele der in Medien und US-Erklärungen als „Zivilisten“ benannten Opfer von Anschlägen, Angriffen und Entführungen, sind nur formal Zivilisten. In Wahrheit handelt es sich um Angehörige verschiedenster militärischer Dienstleister, eigentlich schlichtweg moderne Söldner, die in einem kriegerischen Konflikt auf einer Seite agieren. Daher verwundert es nicht weiter, dass sie von der Gegenseite auch als Gegner wahrgenommen und behandelt werden. Auch der am 9. April 2004 einzige Überlebende eines Hinterhalts auf einen Konvoi westlich von Bagdad, der anschließend entführte US-Amerikaner Thomas Hamill, war PMC-Mitarbeiter.[4] Er befindet sich seit dem 2. Mai wieder in Freiheit. Angeblich konnte er seinen Entführern aus eigener Kraft entkommen.

Auch die vier Italiener Fabrizio Quattrocchi, Umberto Cupertino, Salvatore Stefio und Maurizio Agliana, die im April 2004 entführt wurden, arbeiteten als bewaffnete private Kämpfer für eine italienische PMC. Sie wurden schließlich, bis auf Quattrocchi, der in Gefangenschaft erschossen wurde, im Juni 2004 frei gelassen. Am 12. April gab US-Oberkommandeur General Ricardo Sanchez bekannt, nach einem Angriff auf einen Konvoi bei Abu Ghraib seien neun US-Amerikaner, alles Zivilisten, vermisst. Tatsächlich waren sieben davon Mitarbeiter von Kellogg, Brown & Root (Militärdienstleister und Subunternehmen von Halliburton). Am 2. Mai 2004 kamen bei einem Bombenanschlag auf einen Konvoi zwei Mitarbeiter von Global Risk International von den Fidschi-Inseln ums Leben. Und am 26. November 2004 wurden bei einem Raketenangriff auf die Grüne Zone Bagdads, der angeblich geschützteste Bezirk der Stadt, vier nepalesische Söldner der Gurkha-Einheiten der Global Risks Strategies getötet und 15 verletzt. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Insgesamt kann daher angenommen werden, dass die Gesamtanzahl der im Irak getöteten PMC-Mitarbeiter sogar höher liegen könnte, als die der 1280 (Dezember 2004) getöteten US-Soldaten. Die Zahl festzustellen ist allerdings äußerst schwer. Weder die militärischen Auseinandersetzungen, in die PMCs verwickelt sind, noch ihre Angestellten, die im Irak ums Leben kommen, tauchen in den Statistiken des US-Militärs auf. So griffen z.B. am 4. April 2004 irakische Milizen das US-Hauptquartier in Nadschaf an. Das Abwehrgefecht dauerte vier Stunden, es wurde mit Maschinengewehren und 40mm-Granaten zurückgeschossen, doch in den Berichten des US-Militärs fand sich kein Hinweis auf die Ereignisse. Warum? Die Antwort ist einfach, es waren keine Militärs an dem Gefecht beteiligt. Es waren Mitarbeiter von Blackwater USA, die den Angriff abwehrten.[5]

Manchen wird die Situation im Irak zu gefährlich. Der US-Amerikaner libanesischer Abstammung George Haddad erklärte Anfang November 2004 “In kurzer Zeit wird der Irak unmöglich werden, unregierbar.” Haddad zog mit seinem Unternehmen „Al Safar Group” wieder ab. Haddad’s PMC hatte 140 Angestellte, meist Iraker, und war als Subunternehmer der Global Risk Group aktiv. Es stellte Eskorten für Lebensmittel- und Nachschubkonvois. Die Monatslöhne lagen bei 300-1,500 US-Dollar.[6] Doch in der Regel lassen sich die PMCs kaum abschrecken. Personal gibt es genung. So zeigte sich z.B. Mike Baker, Direktor der Diligence Limited Company, die Hunderte Agenten im Irak haben soll, von den Ereignissen in Falludscha weit gehend unbeeindruckt. Das Unternehmen hätte nicht einen Moment lang daran gedacht sich aus dem Irak zurückzuziehen, so der Ex-CIA-Agent. Er war hingegen überzeugt es müsse nun Härte gezeigt und noch aggressiver vorgegangen werden, damit der Gegner die Reaktion nicht als Zeichen der Schwäche gewertet wird. Ein noch schwerer wiegendes Argument dürften die Einnahmen sein.

Von 1994 bis 2004 unterzeichnete allein die US-Regierung über 3000 Verträge mit Privatunternehmen für Dienstleistungen für Truppen im Auslandseinsatz. 2003 schätzte die US Army, dass von den 87 Mrd. $, die für die „Größere Irak-Kampagne“ (Afghanistan und Zentralasien mit eingeschlossen) vorgesehen waren, 30 Mrd. $ an PMCs gingen.[7] Gemäß eines am 29. Juli 2004 veröffentlichten Untersuchungsberichtes des Centre for Public Integrity (Washington) wurden von der US-Regierung im Irak Aufträge an 150 US-PMCs mit einem Gesamtvolumen von 48,7 Mrd. US-$ vergeben. Daher wird die „coalition of the willing“ (Koalition der Willigen) häufig auch als „coalition of the billing“ (Koalition der Rechnungssteller) bezeichnet.

Irak als Tummelplatz für PMCs aus allen Teilen der Welt

Der enorme Bedarf nach privaten Militärdienstleistern hat im Irak dazu geführt, dass kleine wie große Unternehmen aus der Branche ihre Büros in Bagdad eröffnet haben. Die Hälfte davon sollen aus Großbritannien stammen bzw. eine bedeutende britische Beteiligung haben.[8] Allein britische Söldnerfirmen haben dem Direktor der Londoner PMC Janusian zufolge ihren Umsatz seit der Besetzung des Iraks von 320 Millionen Dollar auf 1,8 Milliarden erhöht. Global Risk Strategies etwa, hatte vor dem Angriff der USA auf Afghanistan erst zwei Mitarbeiter, heute arbeiten für sie über 1.000 Mann im Bereich des Objekt- und Personenschutzes und das Unternehmen hat Büros in London, Washington D.C., Johannesburg, Bagdad, Kabul, Islamabad, Dubai, Hongkong und Suva (Fidschi). Global Risk International, aus Hampton, Middlesex, Teil der Global Risk Group, gehört zu den großen britischen Firmen im Irak-Geschäft und stellt Gurkhas und Kämpfer der Fidschi-Inseln sowie Ex-SAS-Soldaten für die Bewachung des US-Hauptquartiers in Bagdad.[9] Das britische Unternehmen ArmorGroup hat einen Vertrag über 876.000 britische Pfund und stellte zunächst 20 Sicherheitskräfte, die das Foreign Office bewachten. Im Juni 2004 wurde das Personal um 20 weitere Wachen erhöht. Die Firma zählt auch 500 Gurkhas für den Schutz der US-Unternehmen Bechtel und Kellogg Brown & Root.[10]

Mit dabei ist auch die US-amerikanische DynCorp, die in Kolumbien die Besprühung des Drogenanbaus (inklusive Spezialeinheiten zur Evakuierung verletzter und gefährdeter Militärs und Polizisten) übernehmen, in Bosnien in organisierten Frauenhandel verwickelt waren, die Grenze zwischen den USA und Mexiko militärisch überwachen, den „Weltraumschild“ der US-Streitkräfte mitentwickeln, US-Kriegsflugzeuge und -schiffe warten, Atombombentestgebiete in den USA verwalten und auch in Israel/Palästina aktiv sind. Erst im Oktober 2003 wurden in Gaza mit einer Bombe drei DynCorp-Mitarbeiter getötet, die Personal der US-Botschaft eskortierten. Im Irak ist DynCorp damit beauftragt die neue irakische Polizei zu rekrutieren und auszubilden, dafür wurde ein tausendköpfiges Team aufgebaut, um die Auswahl zu treffen.

Zu den Großverdienern im Irak gehört das US-Unternehmen Halliburton, welches darüber hinaus kürzlich erst einen Auftrag über 391 Millionen Dollar erhielt, um die US-Atomwaffenschmiede Los Alamos (New Mexico) zu warten, wo die US-Atombomben hergestellt werden.[11] Das Auftragsvolumen für die verschiedenen Dienstleistungen Halliburtons im Rahmen des Irak-Krieges beträgt 1,7 Milliarden US-Dollar. 710 Millionen Dollar davon für die Instandsetzung und den Betrieb der Ölproduktion. In der Türkei, Jordanien und Kuwait kümmert sich Halliburton um Unterkünfte und Logistik der US Army und bekommt dafür 390 Millionen US-Dollar. Das Tochterunternehmen Kellogg, Brown & Root erhielt 170 Millionen Dollar für Wiederaufbaumaßnahmen und 28 Millionen Dollar für den Bau von Kriegsgefangenenlagern. Aber Kellogg Brown & Root (KBR) sorgt auch für die Unterkünfte und den Transport der US-Army-Angehörigen (269 Millionen Dollar) und stellt die Logistik für die nach vermeintlichen Massenvernichtungswaffen suchenden Teams (40 Millionen Dollar).[12]

Rekrutiert wird weltweit. Halliburton wirbt über die südamerikanische Dependance Halliburton Latinoámerica z.B. in Kolumbien um Irak-Mitarbeiter für den “Sicherheitsbereich”. Diese sollen Öl- und Gaspipelines schützen und Bodyguards für Privatunternehmen in Bagdad, Mossul, Falludscha und Basra stellen. Während Firmensprecher den Umstand leugnen, sind die direkten Anwerber und einige, die an Rekrutierungsveranstaltungen teilgenommen haben, redseliger. Sie berichten von Zusammenkünften Anfang Dezember 2004 und einer 16köpfigen Gruppe, die im gleichen Zeitraum Kolumbien Richtung Irak verließ. Die kriegserprobten und US-trainierten Kolumbianer stehen hoch im Kurs. 7.000 US Dollar monatlich plus Lebensversicherung, Verträge für ein Jahr, verlängerbar um sechs Monate sowie alle drei Monate ein Kurzurlaub in einer europäischen Stadt ihrer Wahl werden ihnen geboten.[13] Nur vorzeitig aussteigen dürfen sie nicht, dann müssen sie zur Strafe alle erhaltenen Gelder zurückzahlen.

Nachdem sich die Gefährlichkeit der Aufträge im Irak herumgesprochen hat und Regierungen, wie etwa die der Philippinen, ihren Bürger offiziell abraten sich für Einsätze im Irak zu melden, weichen PMCs zunehmend auf neue Länder aus. Triple Canopy aus Lincoln, Illinois, verlegte ihre Rekrutierungstätigkeit von den Philippinen nach El Salvador. Die Militärgeschichte des zentralamerikanischen Landes sei dafür durchaus ein Grund gewesen, so Firmensprecher Joe Mayo. Triple Canopy, spezialisiert auf Personenschutz für zivile Mitarbeiter der US-Behörden im Irak, war auf der Suche nach Militärs mit Spezialkräfteausbildung. In El Salvador, dessen Eliten und Armee sich von 1981 bis 1993 im Krieg gegen die Bevölkerung befanden, sind diese nicht schwer zu finden. Über 80.000 Menschen ermordeten Sondereinheiten und Todesschwadrone in 12 Jahren. Ausgebildet dafür wurden sie von der US Army. Und so ist es auch ein ehemaliger US-Militär und früherer Ausbilder der Spezialeinheiten der Armee El Salvadors, der die Rekrutierungsgespräche eingefädelt hat. Der Mann, der gegenüber der Presse lieber anonym bleiben will und Teilhaber eines „Sicherheitsunternehmens” in El Salvador ist, berichtet 100 Rekruten seien bereits am 17. September 2004 in Richtung Irak aufgebrochen, weitere Gruppen würden folgen. 1.700 US Dollar im Monat, die ihnen Triple Canopy bietet, sind viel Geld in El Salvador. Dort verdienen Leibwachen nur 350 Dollar im Monat, wenn sie überhaupt Arbeit finden.[14]

PMC-Kriege im Schatten von Öffentlichkeit und internationalem Recht

Ein ökonomischer Vorteil durch das Outsourcing der Militäraufgaben, wie oft behauptet, wurde bisher nicht nachgewiesen. Die bekannt gewordenen Fälle zeugen eher vom Gegenteil (siehe etwa den Vertrag zwischen KBR und Halliburton und die gefälschten Rechnungen, mit denen dem Pentagon ein überhöhter Benzinpreis abverlangt wurde). Und schließlich bezahlen die Staaten, allen voran die USA, den PMCs unglaubliche Summen, während zugleich die teure Ausbildung auf ihre Rechnung geht. So kostet die 18monatige Ausbildung eines US-amerikanischen Green Berret 257.000 Dollar.[15] Wenn sie anschließend zu einer PMC wechseln ist mindestens das Dreifache des vorherigen Lohnes fällig. Das führt auch dazu das zunehmend mehr Soldaten mit Spezialausbildung aus den Reihen der offiziellen Armeen in die der PMCs wechseln. So sollen 40 Angehörige einer 300köpfig

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en Einheit der Green Berrets im Irak bereits den Dienst quittiert haben, um für PMCs zu arbeiten.

Anstatt einer Kostenersparnis dient das „Outsourcing“ einerseits der neuen Militärdoktrin, gemäß der mehrere große Kriege / Konfrontationen gleichzeitig führbar sein sollen und andererseits Militäreingriffe der öffentlichen und parlamentarischen Kontrolle zu entziehen, „Geheimoperationen“ durchführen zu können, offizielle Opferzahlen auf der eigenen Seite „niedrig“ zu halten (da die PMC-Mitarbeiter nicht in den Gefallenen- oder Verwundetenstatistiken auftauchen) und nicht zuletzt auch Gesetze und internationale Abkommen umgehen zu können (so wie beim Auftrag an MPRI im Jugoslawien-Krieg die kroatisch-muslimischen Truppen in Bosnien in Umgehung eines Waffenembargos auszubilden und mit Waffen zu versorgen). In den USA müsste eigentlich die Behörde „International Traffic in Arms Regulation“ die PMCs kontrollieren, die darüber hinaus keine „kritischen Aufträge“ erhalten dürften. In der Praxis ist eine Kontrolle nicht existent, die Kompetenzen sind nicht geregelt und während die PMCs zu Schweigsamkeit gegenüber Dritten verpflichtet werden, zieht sich das Militär auf den Inhalt des offiziell abgeschlossenen Vertrages zurück.

Zugleich werden mit den Tätigkeiten von PMCs auch militärische US-Standards und Normen verbreitet, was militärische Kooperationen und Bündnisse vereinfacht. In den 90er Jahren bildeten über Kooperationsabkommen mit den USA US-PMCs Armeen von über 40 Ländern aus. Ein weiterer „Vorteil“ der Nutzung von PMCs ist der faktisch rechtsfreie Raum in dem diese agieren. Da die PMCs keine Militärs sind, können sie auch nicht der Militärjustiz unterworfen werden. Sie müssten als Zivilisten eigentlich dem lokalen Zivilrecht unterworfen sein. Das ist aber in den meisten Einsatzgebieten entweder kaum existent oder nicht an einer Verurteilung interessiert. Häufig pochen PMCs bei ihren Verträgen auch auf eine fest gelegte Straffreiheit. So z.B. bekanntermaßen Dyncorp oder Air Scan in Kolumbien.

Das Einkommen der PMC-Angestellten variiert stark und richtet sich sowohl nach Aufgabe und Ausbildungsstand, wie auch nach Herkunftsland. Ganz unten stehen die Iraker. Die PMC Erinys beispielsweise hat 14.-15.000 Iraker als Wachpersonal für Erdölanlagen und Pipelines engagiert. Sie bekommen nur 150 Dollar im Monat.[16] An die 3.000 Dollar im Monat verdienen Ex-Angehörige chilenischer Spezialtruppen, nepalesische Gurkhas, Kämpfer von den Fidschi oder Südafrikaner. Werden sie für Spezialaufgaben eingesetzt, kann das Einkommen schon mal auf 6.000 bis 15.000 Dollar monatlich steigen. Die Experten von Blackwater USA stecken für Sondermissionen 600 bis 1.000 Dollar am Tag ein. Etwa die gleiche Summe täglich streicht das Unternehmen pro Kämpfer noch einmal von den Auftraggebern ein.

Blackwater USA

Blackwater USA ist ein US-Unternehmen mit Hauptsitz in Moyock (North Carolina). Gegründet wurde es 1996 vom ehemaligen Navy Seal Erik Prince. Seitdem hat Blackwater USA über 50.000 Militärs und Polizisten auf dem 6000-Hektar-Grundstück, auf dem auch ein kleines Dorf für Häuserkampftraining steht, ausgebildet. Der Name seht übrigens im militärischen Jargon für die nächtlichen Geheimmissionen von Kampftauchern. Sein Personal rekrutiert die Firma bevorzugt unter aktiven Militärs der Sondereinheiten Navy Seals, Army Rangers und Delta Force. So kann sie auf ihrer Webseite verkünden: „Wir haben die Leute um jeden Auftrag auszuführen.“ Natürlich „überall in Unterstützung der Freiheit und Demokratie.“ Die US-Regierung hat es dem Unternehmen allein seit 2002 mit Aufträgen in der Höhe von 35 Millionen Dollar gedankt.[17]

Im Irak hat der PMC 450 Mitarbeiter und übernimmt besonders heikle Aufgaben. Darunter fiel auch der Schutz für die Coalition Provisional Authority (CPA), Paul Bremer und hohen Besuch miteingeschlossen. Das Unternehmen übernimmt aber auch die Ausbildung von irakischen Antiterroreinheiten. Dafür steht Blackwater USA ein ehemaliger MIG-Flughafen außerhalb Bagdads zur Verfügung. Wie der Fall der vier in Falludscha getöteten Mitarbeiter zeigt, arbeiten PMC-Angehörige unter Bedingungen, die von der US Army selbst kaum akzeptiert werden würden, so etwa der mangelhafte Schutz und die fehlenden Informationen über die Sicherheitslage. Und sie übernehmen entsprechend auch gefährlichere Aufgaben. So scheinen auch die Angriffe auf sie nicht ganz so unerwartet, wie es die Firma auf ihrer Webseite behauptet: „Die Bilder des nicht provozierten Angriffs und die darauf folgende abscheuliche Misshandlung unserer Freunde macht die außerordentlichen Umstände deutlich, unter denen wir freiwillig arbeiten, um dem irakischen Volk Frieden und Demokratie zu bringen.“

Für Blackwater arbeiten im Irak auch 122 Ex-Angehörige der Armee Chiles, die wegen ihrer Verstrickung in Menschenrechtsverbrechen aus dem Dienst entlassen wurden. Jetzt sind sie über die uruguayische Firma Neskowin beschäftigt, die von José Miguel Pizarro geleitet wird, ein Exoffizier der Pinochetarmee. Wie Pizarro der chilenischen Zeitung „La Tercera“ erklärte, werbe er nun Ex-Militärs aus Argentinien an. Ein Sprecher von Blackwater versicherte gegenüber der britischen Tageszeitung The Guardian die chilenischen Kommandos seien „sehr, sehr professionell.“

Dubiose Wardogs

So professionell und seriös die verschiedenen PMCs auch auftreten mögen, finden sich in ihren Reihen allerhand sehr zweifelhafte Firmen und dubiose Gestalten. So etwa die südafrikanische Firma Meteoric Tactical Solutions (Hauptbüro in Pretoria, Südafrika), die mit einem Vertrag über 270.000 britische Pfund von der britischen Entwicklungshilfebehörde DFID (Department for International Development) engagiert wurde und Leibwachen und Fahrer für den kleinen Personalstab der DFID im Irak stellt. Zwei der Firmeneigner wurden im März 2004 gemeinsam mit dem zwielichtigen britischen Ex-SAS-Kämpfer Simon Mann verhaftet. Lourens „Hecky“ Horn steht in Simbabwe vor Gericht, da ihm vorgeworfen wird in einen Putschversuch in Äquatorial-Guinea verwickelt zu sein.[18]

Am 7. März 2004 beschlagnahmten die Sicherheitskräfte des Flughafens von Harare in Simbabwe eine Boeing 727 und verhafteten 65 Söldner verschiedener Nationalität. Die Boeing sollte nach Äquatorial-Guinea weiterfliegen, um sich mit einem anderen Söldnerkommando zu treffen. Die Gruppe war beauftragt einen Putsch zum Sturz des Präsidenten durchzuführen. In dem Flugzeug befanden sich 61 AK-47 Sturmgewehre, 45.000 Schuss Munition, 160 Granaten und 1000 Schuss panzerbrechende Munition. Noch wenige Monate zuvor hatte „Hecky“ den Vertrag über den Einsatz im Irak mit der britischen Regierung unterschrieben.

Simon Mann wiederum hatte zuvor eine Führungsposition in dem mittlerweile aufgelösten südafrikanischen Söldnerunternehmen Executive Outcome. Aus diesem ging Sandline hervor, das Simon Mann gemeinsam mit Anthony Buckingham und dem Ex-SAS-Mitglied Tim Spicer gründete. 1998 wurde Sandline von der britischen Regierung unter Vertrag genommen, um in Sierra Leone zu intervenieren und das UNO-Waffenembargo zu umgehen. Eine maßgebliche Rolle spielte dabei Tim Spicer. Ein Jahr zuvor waren Spicer und Sandline in schwere Bedrängnis gekommen, als sie in einem undurchsichtigen Deal engagiert wurden, um in Papua Neu Guinea illegal die Rebellenarmee von Bouganville zu bekämpfen, die sich gegen den zerstörerischen Kupferabbau zur Wehr setzt. Dennoch erhielt Spicer mit seinem Mitte 2003 gegründeten neuen Unternehmen Aegis Defense Services von der US Army einen Auftrag mit einem Volumen von 293 Millionen US Dollar. Aegis Defense Services stellt für verschiedene, am „Wiederaufbau“ des Iraks beteiligte Firmen, zusammen mit dem Personal des Project Management Office (PMO), das die verschiedenen Projekte im Irak leitet, den Schutz und koordiniert die Arbeit der gesamten PMCs in diesem Bereich.

Südafrikanische Firmen und Söldner

Aus Südafrika sollen einige Tausend Söldner im Irak tätig sein. Die Südafrikaner stammen zum überwiegenden Teil aus den Sicherheitsdiensten und Armeesondereinheiten des ehemaligen Apartheidregimes wie etwa „Bataillon 32“, Vlakplaas und der Eliteeinheit Koevoet, die in Namibia Militäroperationen gegen Regimegegner durchführten. Sie stehen im Dienste britischer „Sicherheitsunternehmen“ und einiger südafrikanischer Firmen und verdienen 5.000 bis 10.000 US-Dollar monatlich, mehr als ein Jahreseinkommen als Angestellte von Sicherheitsfirmen in Südafrika.[19] Zwar müssen eigentlich gemäß des südafrikanischen Söldnergesetzes von 1998 alle Unternehmen für Aktivitäten im Bereich der „internationalen Sicherheit“, eine Genehmigung des Nationalen Komitees für Konventionelle Waffenkontrolle einholen. Doch das Gesetz lässt einige Schlupflöcher offen, da nur südafrikanische Staatsangehörige und Unternehmen eine Genehmigung benötigen, die Vorhaben international militärisch zu agieren, so deklarieren die Unternehmen ihre Aufgaben nicht als militärisch, sondern als „Sicherheitsdienste“.

Zu den im Irak tätigen Sicherheitsunternehmen gehört auch Erinys International (nach einer griechischen Göttin benannt, die einen Schuldigen verfolgte, dessen Taten nie bestraft wurden). Erinys unterhält im Irak eine Privatarmee, die im Kern aus 1.500 Südafrikanern besteht und 14.000 irakische Wachleute beschäftigt. Die südafrikanischen Spezialisten sind mit Schnellfeuergewehren ausgerüstet und verfügen über Luftlandeverstärkung. Die Firma wurde vom britischen Exoffizier Alastair Morrison gegründet und hat vier Direktoren, drei von ihnen leben in Südafrika. Die Büros von Erinys International befinden sich in Midrand (Südafrika) und Dubai. Im Jahr 2003 wurde ein Büro in Großbritannien eröffnet und kurze Zeit später auch in Bagdad. Das Unternehmen unterzeichnete einen Vertrag über 39,5 Millionen US-Dollar zur Ausbildung von irakischen Sicherheitskräften zum Schutz der Öl-Pipelines. Den Schutz von Pipelines übernahm Erinys auch schon für British Petrol (BP) in Kolumbien und für andere Auftraggeber in Angola, im Nigerdelta und in Ghana.[20]

Im Januar 2004 wurden im Irak durch eine Bombenexplosion die Erinys-Angestellten Deon Gouws und François Strydom getötet. Sie waren im Apartheidsregime respektive in den Sondereinheiten Vlakplaas und Koevoet aktiv gewesen. Gouws hatte bei den Anhörungen der Wahrheitskommission in den 90er Jahren zugegeben an mindestens einem Anschlag auf einen Regimegegner beteiligt gewesen zu sein und zwischen 40 und 60 Häuser von Oppositionsaktivisten nieder gebrannt zu haben.[21] Und Gray Branfield, Angestellter der Hart Group, der in der irakischen Stadt Kut getötet wurde, hatte 1985 einen blutigen Überfall auf Exilanten der Freiheitsbewegung ANC in Gabor, der Hauptstadt Botswanas, geplant. Dabei wurden 14 Menschen ermordet, darunter ein fünf Jahre altes Kind.[22]

Enklavenökonomie und unerwünschter Frieden

Der PMC-Experte Peter Singer spricht angesichts der massiven Söldnernutzung von „historischen Parallelen“, die 250 Jahre zurückliegen.[23] Angesichts der Militärstrategie, die sich im Irak, wie in Kolumbien aber auch in der Entsendung von EU-Truppen in den Kongo ähnlich gestaltet, drängt sich eine weitere historische Parallele auf und zwar zur Enklavenökonomie der Kolonialzeit. Auch damals wurden nur ökonomisch interessante Punkte militärisch kontrolliert und die gewonnenen Rohstoffe direkt abtransportiert. Der Aufbau von regionaler Infrastruktur blieb vollständig aus. Die Bevölkerung wurde mit „militärischen Strafexpeditionen“ diszipliniert. Seit dem Ende der Blockkonfrontation scheint auch der Anspruch aufgegeben worden zu sein, in den Konfliktregionen oder okkupierten Ländern eine neue dauerhafte stabile Ordnung in Anlehnung an das politische System des Aggressors zu installieren. Was Abseits oder auch nur Jenseits der militärisch kontrollierten Enklaven geschieht, spielt heute häufig kaum noch eine Rolle, solange der dortige Abbau und Export von Rohstoffen oder die Produktion bestimmter Güter nicht gefährdet wird. Das Beispiel Irak zeigt allerdings auch, dass diese Rechnung nicht aufgeht.
Ein weiteres Problem stellt aber auch die Tatsache dar, dass sich für die PMCs der Frieden nicht lohnt. Und wenn, wie jüngst in den USA geschehen, die drei PMCs Booz Allen Hamilton, Perot Systems Government Services und Miltec Systems Co., einen Auftrag für die Ausarbeitung des neuen US-amerikanischen Verteidigungshaushaltes erhalten, wird vollends der Bock zum Gärtner gemacht.

Anmerkungen

[1] Time 12.4.2004
[2] Traynor, Ian: The Privatisation of War, in: The Guardian, 10.12.2003
[3] Bellinzona, Carlo; Gustinich, Franz: In guerra senza uniforme, in: Limes, Mai 2004
[4] La Repubblica 21.4.2004
[5] Washington Post 6.4.2004
[6] Corriere della sera 4.11.2004
[7] Traynor 2003
[8] Bellinzona 2004
[9] Traynor 2003
[10] Fisk, Robert; Carrell, Severin: Mercenaries in Iraq. Occupiers Spend Millions on Private Army of Security Men, in: The Indipendent, 29.3.2004
[11] Bellinghausen, Hermann: Halliburton, ejercito paralelo en EU, in: La Jornada, 5.9.2003
[12] Langhans, Dago: Kriegsprofite, in: Junge Welt, 4.9.2004
[13] El Tiempo 12.12.2004
[14] CNEWS 8.10.2004
[15] Bellinzona 2004
[16] Bellinzona 2004
[17] Time 12.4.2004
[18] The Indipendent 29.3.2004
[19] Reich, Roswitha: Lukratives Söldnertum, in: Junge Welt, 20.08.2004
[20] Weiss, Ruth: Südafrikanische Söldner im Irak. Alte Soldaten sterben nicht, in: WoZ, 19.2.2004
[21] La Jornada 8.4.2004
[22] Misser, François: Die Legion der Schurken, in: taz, 3.6.2004
[23] Singer, P.W.: Warriors for hire in Iraq, in: Salon (www.salon.com), 15.4.2004, S.28

Dario Azzellini ist Diplompolitologe, Autor und Übersetzer. Unter anderem ist er zusammen mit Boris Kanzleitner Herausgeber von „Das Unternehmen Krieg. Paramilitärs, Warlords und Privatarmeen als Akteure der neuen Kriegsordnung.“ (Assoziation A, Berlin / Hamburg / Göttingen, 2003)

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