Pressebericht - in: FAZ, 26.08.2004

Hunderte wollen in den Irak

Eine kleine Anzeige kann große Wirkung entfalten

von: FAZ / clb / Pressebericht / Dokumentation | Veröffentlicht am: 27. August 2004

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clb. FRANKFURT, 25. August. Das stellt die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit (BA) dieser Tage fest. Seit vergangenem Freitag stehen in Bonn die Telefone nicht mehr still. Der Grund: Die Behörde hatte in ihrer eigenen Publikation Markt & Chance“, die sich nicht gerade durch einen außergewöhnlich hohen Bekanntheitsgrad auszeichnet, Sicherheitsdienstleistungsfachkräfte gesucht. Der Einsatzort ließ die Vermittler zunächst nicht mit übermäßigem Andrang rechnen: Er liegt in Mossul im Nordwesten des Iraks. Dort sollen die Sicherheitsleute den Flughafen bewachen. Als Voraussetzung wird von ihnen eine IHK-geprüfte Qualifikation gefordert sowie Berufserfahrung, Englischkenntnisse und Waffensachkunde. Außerdem sollten die Interessenten körperlich fit“ sein und nicht älter als 45 Jahre.

Die Resonanz auf das Inserat, das unauffällig neben einem Gesuch nach Schweißern in den Niederlanden stand, verblüffte die Behördenmitarbeiter, die immerhin schon seit rund 25 Jahren auch Fachleute in Krisengebiete vermitteln. Am Montag mittag hatten sich schon 230 Interessenten gemeldet. Gegenwärtig dürften es schon weit mehr sein. Drei Mitarbeiter der ZAV seien seit Beginn der Woche den ganzen Tag mit dieser einzigen Anzeige befaßt, stöhnt eine Mitarbeiterin.

Der Ansturm kam nicht von ungefähr. Ausgelöst hatte ihn eine Stellungnahme des Europaabgeordneten Tobias Pflüger, die in der nachrichtenarmen Sommerzeit ein lebhaftes Medienecho ausgelöst hatte: „Hatte Bundeskanzler Schröder immer erklärt, keine Bundeswehrsoldaten in den Irak entsenden zu wollen, fördert jetzt offensichtlich die Bundesagentur für Arbeit die Privatisierung der deutschen Irak-Kriegs-Beteiligung“, hatte der Abgeordnete kritisiert, der für die Linksfraktion in dem Parlament sitzt.

Seitdem bemüht sich die ZAV um Schadensbegrenzung und weist ihrerseits gegenüber den Medien darauf hin, daß es sich nicht um eine Kriegsbeteiligung handle, daß sie keine normalen Arbeitslosen in die Krisenregion schicken wolle, schon gar nicht jemanden dazu zwinge oder gar Anwärter für das Arbeitslosengeld II dazu verpflichten wolle.

In wenigen Tagen soll die Bewerbungsflut an den Auftraggeber weitergeleitet werden. Auf ruhigere Zeiten stellt man sich aber auch dann nicht in der Behörde ein. Es sei damit zu rechnen, daß für den Wiederaufbau im Irak bald noch mehr Stellenangebote für eine Tätigkeit dort kämen, sagt eine Sprecherin. Die nachrichtenarme Zeit dürfte dann allerdings vorbei sein.

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