Pressebericht - in: Frankfurter Neue Presse, 10.09.2003

Politischer Auftakt im neuen Jukuca

Mörfelden-Walldorf. Tobias Pflüger aus Tübingen, der Geschäftsführer der Informationsstelle Militarisierung (IMI), referierte im Jugend- und Kulturcafé (Jukuca) im Mörfelder Bahnhof über das Thema "Was heißt hier Verteidigung?

von: Bernd Diefenbach / Frankfurter Neue Presse / Pressebericht / Dokumentation | Veröffentlicht am: 2. Oktober 2003

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Der Irakkrieg, die Rolle Deutschlands und die Tendenzen deutscher Militärpolitik“. Rund 70 Zuhörer interessierten sich für die erste politische Veranstaltung im neuen Jukuca, zu der die Anti-Kriegs-Initiative, die Aktion Toleranz und der Verein Jukuca eingeladen hatten. (…)

Laut Pflüger hat es im Irak-Krieg einen „Big Deal“ zwischen den USA und der Bundesrepublik gegeben. Die Bundesregierung habe eine Doppelstrategie betrieben, sie sei zwar diplomatisch gegen den Krieg, aber militärisch dafür gewesen. Der Irak-Krieg sei von der Rhein-Main-Air Base, wo es täglich 60 bis 80 Militärtransporte gegeben habe, sowie von Ramstein und Spangdahlen vorbereitet worden. „Ohne diese Transporte wäre der Irak-Krieg unmöglich gewesen“, meinte Pflüger. Er erinnerte auch daran, dass 4000 Soldaten der Bundeswehr Stützpunkte der Amerikaner bewacht und die Bundesregierung den Amerikanern Überflugrechte gewährt habe, etwa im Gegensatz zu Österreich. Der Irak-Krieg sei barbarisch gewesen und habe letztlich zu 7000 toten Zivilisten und 10 000 toten Soldaten geführt, darunter 147 US-Soldaten. Es sei den USA nicht darum gegangen, Massenvernichtungswaffen zu finden, sondern um Zugang zum Öl. Pflüger meinte zudem, dass auch der Dollar weltweit als Leitwährung durchgesetzt werden sollte. Die jetzige Besatzungsphase, laut Pflüger die dritte Phase des Krieges, zeichne sich ebenfalls durch schlimme Aggressionen aus. Der Referent wies auch auf Zusammenhänge zwischen der Militarisierung und dem geplanten Sozialabbau hin. So wolle die Bundesregierung 8,4 Milliarden Euro für den Kauf des neuen Airbus-Militärtransporters ausgeben, zugleich aber mit der Agenda 2010 beim einfachen Bürger kürzen.

Pflüger kritisierte die neuen verteidigungspolitischen Richtlinien von Verteidigungsminister Peter Struck vom 21. Mai und dessen Aussage: „Die deutsche Sicherheit wird auch am Hindukusch verteidigt“. Die Einsätze der Bundeswehr im Ausland sind ein Bruch der Verfassung, so Pflüger.

Laut Florian Bernhardt vom Verein Jukuca sollen bald weitere politische Vorträge folgen.

Frankfurter Neue PressePrintausgabe vom 08.09.2003Ort der Bewegung und Begegnung
Von Bernd Diefenbach

Mörfelden-Walldorf. Ein Transparent mit der Aufschrift „Wir haben lange genug gewartet, Jugend- und Kulturcafé jetzt“ erinnerte an den langen, steinigen Weg bis zur Realisierung. Das Jugend- und Kulturcafé im Mörfelder Bahnhof wurde am Samstagnachmittag vor rund 50 Gästen offiziell eröffnet. Erster Stadtrat Heinz-Peter Becker (SPD) blickte auf die langen Diskussionen über das Jukuca zurück. Zunächst besetzten Jugendliche 2001 das Haus der Volkshochschule in der Wolfsgartenstraße, später gab es einen heftigen Streit, ob das Café in der ehemaligen Apotheke in der Bahnhofsstraße oder im Bauhof Gärtnerweg realisiert werden sollte. „Beide Alternativen wären nur eine Übergangslösung gewesen“, meinte Becker.

Als die Stadt 2002 den Mörfelder Bahnhof sowie Außenflächen für 500 000 Euro kaufte, habe es plötzlich eine endgültige Lösung gegeben: Das Jukuca wurde im Bahnhof gebaut. Laut Becker betrugen die Gesamtkosten 321 000 Euro, davon 200 000 Euro für Baukosten und 50 000 Euro für die Einrichtung. Die ehemalige Gaststätte sei modernisiert und auch die Theke umgestaltet worden. Die strengen Vorgaben des Denkmalschutzes, dass der frühere Bahnhof noch erkennbar sein müsse, seien erfüllt worden. Becker erinnerte an den Vertrag zwischen Stadt und dem Verein Jukuca, der Ende August abgeschlossen wurde und zunächst probeweise bis Mai 2004 laufe. Abschließend überreichte Becker noch einen Scheck an die Vorsitzende des Vereins Jukuca, Judith Kolbe.

Uwe Ewald vom Architekturbüro Lorenz wünschte den Jugendlichen, dass sie „auch weiterhin nicht locker lassen und am Ball bleiben“. Ein Café in einem Bahnhof biete viele Chancen: „Vielleicht beseelt der Geist des Ortes, der Bahnhof soll zu einem Ort der Bewegung und der Begegnung werden.“ Heimo Boschert, Leiter der Stadtjugendpflege, erinnerte daran, dass manche Fragen wie etwa zur Stellplatzsatzung schwer vereinbar gewesen seien mit der Basisdemokratie, wie sie die Jugendlichen anstrebten. „Doch der lange Weg hat sich für uns gemeinsam gelohnt“, lobte Boschert. Rudi Hechler (DKP) gratulierte den Jugendlichen, dass sie „durch außerparlamentarischen Druck“ letztlich ihr Ziel erreicht hätten. Doch nun sei ein langer Atem nötig, denn nach den Mühen der Berge kämen nun die Mühen der Ebene. Hechler überreichte eine Kaffeemaschine. Franz-Rudolf Urhahn (Grüne) hob hervor, dass im Bahnhof nicht nur viele junge, sondern auch ältere Menschen vorbei kämen, dies sei eine weitere Chance bei dem Projekt. Auch Urhahn überreichte an die Vorsitzende des Vereins Jukuca, Judith Kolbe, ein Geldgeschenk. Kolbe hob hervor, dass die Jugendlichen einen Ort der Kultur realisieren wollten, der selbstverwaltet und nicht gewinnorientiert sei. Dabei habe es auch Missverständnisse gegeben. Abschließend sprach sie mehrere Trinksprüche aus, etwa auf jene, die für das Jukuca demonstrierten, auf die Vereinsmitglieder sowie auf die Stadtverordneten, die für die Einrichtung stimmten. Auch für die Sponsoren wie Mainova und die Naturfreunde Mörfelden-Walldorf gab es einen Spruch. Am Samstagnachmittag spielte das von Bodo Kolbe neu gegründete Ukulelen-Orchester Lieder über den Sommer. „Summertime“ von George Gershwin, der „Summertime Blues“ sowie „Ein Bett im Kornfeld“ erinnerten nochmals an den heißesten Sommer seit Jahrzehnten. Die Ukulele ist ein Instrument aus Hawaii und bedeutet übersetzt „kleiner Floh“. Die begeisterten Fans forderten die neue Gruppe, bei der es sich noch nicht um das „endgültige südhessische Ukulelen-Orchester“ handelte, noch zur Zugabe „Rembling on my Mind“ auf. Noch wesentlich größer war der Andrang in den Abendstunden. Am Freitagabend kamen rund 250 Rock-Fans zum Auftritt der Bands „Trashcollector“ und „After Rain“. Auch am Samstagabend war der Andrang bei der Hip-Hop-Party groß. Die Discjockeys Twinz und Fabo Funk legten bis weit nach Mitternacht heiße Scheiben auf. Gestern Nachmittag gab es im Jukuca Kaffee und Kuchen, heute Abend ist um 20 Uhr eine Info-Veranstaltung, bei der Tobias Pflüger über den Irak-Krieg referiert.

Printausgabe vom 27.08.2003Das Jukuca geht an den Start
Von Bernd Diefenbach

Mörfelden-Walldorf. Das Jugend- und Kulturcafé (Jukuca) im Mörfelder Bahnhof wird vom Freitag, 5. September, bis Sonntag, 7. September, mit mehreren Veranstaltungen eröffnet. Der 2002 gegründete Verein Jukuca hat gestern einen Vertrag mit der Stadt abgeschlossen. Der Vertrag, den Bürgermeister Bernhard Brehl (SPD) und Erster Stadtrat Heinz-Peter Becker (SPD) für die Doppelstadt sowie Judith Kolbe und Martin Wilker für den Verein Jukuca unterzeichneten, gilt zunächst bis zum 31. Mai 2004. Im Frühjahr 2004 wollen Stadt und Verein neu verhandeln, der Vertrag sieht eine mindestens dreijährige Verlängerung vor. Der neue Vertrag könnte dann zum 1. Juni 2004 in Kraft treten.

Insgesamt umfasst das Jukuca ein Drittel der Fläche im Mörfelder Bahnhofsgebäude, die weiteren Nutzer stehen noch nicht fest. Die Umbaukosten betrugen laut Brehl insgesamt 350 000 Euro. Dazu zählten die Kosten für das Grundstück und das Gebäude. Bis Ende Mai 2004 hat sich die Stadt verpflichtet, sämtliche Betriebskosten zu übernehmen. Falls für Juni 2004 ein neuer Kontrakt zu Stande kommt, würden die Konditionen neu bestimmt. Der Verein soll dann 50 Prozent der Kosten im ersten Vertragsjahr, 75 Prozent der Kosten im zweiten Vertragsjahr sowie sämtliche Betriebskosten im dritten Jahr übernehmen.

Die Mitglieder des Vereins Jukuca hatten in den vergangenen Wochen noch viel zu tun. Laut Brehl unterstützte die Stadt sie auch finanziell bei elementaren Problemen wie dem Kauf des Geschirrs. Der Verein müsse bei seiner Arbeit noch viel ausprobieren, die praktischen Probleme seien am Anfang sicher enorm. Die jungen Menschen müssten sicher einiges an Arbeit investieren, um den Aufbau zu schaffen. „Ich hoffe, dass das selbstverwaltete Jukuca funktioniert“, wünschte Brehl. Damit sich die hohen Investitionskosten auch rechnen, wurde vereinbart, dass das Jukuca mindestens drei Tage pro Woche geöffnet ist. Brehl ist optimistisch, dass der Idealismus der jungen Leute nicht nach einiger Zeit nachlässt. „Sie haben schließlich lange für das Jugend- und Kulturcafé gekämpft“, erinnerte der Verwaltungschef.

Brehl blickte zurück, dass der Verein vor einem Jahr aus der Initiative Jukuca entstand. „Der Vertrag war nur möglich mit einem eingetragenen Verein“, erläuterte der Bürgermeister. Dies bedeute aber auch, dass Vorstandsmitglieder haftbar gemacht werden könnten, wenn es zu Schäden käme. Andererseits gebe es für die Mitglieder auch Positives. So gebe es für den Verein, der bereits die Gemeinnützigkeit beantragt hat, möglicherweise Steuervorteile und höhere Spenden.

Am Freitag, 5. September, 20 Uhr, wird im neuen Jukuca ein Rockkonzert der Bands „Trashcollector“ und „After Rain“ veranstaltet. Bei dieser ersten Veranstaltung ist der Eintritt frei. Für Samstag, 6. September, 14 Uhr, ist die offizielle Eröffnungsfeier geplant. Das Ukulelenorchester, das der Mörfelder Liedermacher Bodo Kolbe gegründet hat, sorgt für musikalische Unterhaltung. Am Samstag ist um 21 Uhr eine Hip-Hop-Party geplant, um 22 Uhr legen die Discjockeys Twinz und Fabo Funk Hits auf. Sonntag, 7. September, 14 bis 18 Uhr, wird im Jukuca erstmals Kaffee und Kuchen angeboten.

Am Montag, 8. September, 20 Uhr, folgt bereits eine Info-Veranstaltung zum Thema „Was heißt hier Verteidigung?“ Tobias Pflüger wird über den Irak-Krieg sprechen, Veranstalter sind der Verein Jukuca, die Aktion Toleranz und die Anti-Kriegs-Initiative.

Frankfurter Neue PressePrintausgabe vom 26.08.2003Seit zehn Jahren im Einsatz für Minderheiten

Von Bernd Diefenbach

Mörfelden-Walldorf. Die Aktion Toleranz feiert in diesem Jahr ihren zehnten Geburtstag. Die Initiative besteht schon seit 1993 und hat deshalb auch ein gelungenes Jubiläumsheft herausgegeben. Die Aktion wurde bereits 2002 beim Toleranzempfang des Kreises Groß-Gerau mit einem Preis ausgezeichnet. Laut der Sprecherin Annette Seydel tritt die Aktion seit ihrer Gründung gegen Rassismus und Rechtsextremismus ein. In den achtziger und neunziger Jahren seien viele Flüchtlinge in die Doppelstadt gekommen.

„Auch in unserer Stadt gab es versteckten und teilweise offenen Rassismus“, nannte Seydel einen der Gründe für die Bildung der Aktion Toleranz. Diese sei aus der Christlichen Flüchtlingshilfe hervor gegangen. Das Flüchtlingsproblem sei durch die Änderung des Grundgesetzes so gelöst worden, dass viele Flüchtlinge nicht mehr nach Deutschland einreisen dürften. „Wir machen Öffentlichkeitsarbeit für Minderheiten , die unter Rassismus und Chauvinismus leiden“, verdeutlicht Seydel. In der offenen Gruppe arbeiteten unterschiedlich eingestellte Menschen mit. „Wir tolerieren uns, auch wenn wir oft unterschiedlicher Meinung sind“, erklärt Seydel.

Große Aufmerksamkeit ruft die Initiative jeweils am 9. November hervor, wenn sie die jährliche Veranstaltung am jüdischen Gedenkstein zur Reichspogromnacht organisiert. Zeitzeugen wie Peter Gingold haben dort vor einem Wiedererstarken des Rechtsextremismus gewarnt. „Durch diese Veranstaltung entstanden viele Kontakte zu Schulklassen“, betont Rudi Hechler von der Gruppe. Er erinnert daran, dass die Aktion Toleranz eine Veranstaltung der Republikaner im Bürgerhaus verhinderte, indem Mitglieder den Zugang blockierten. Gruppenmitglied Nina Weller-Kolbe weist auf die Anti-Minen-Ausstellung sowie die Ausstellung „Hass vernichtet“ über Nazi-Schmierereien hin. Die Aktion Toleranz unterstützte 2001 auch das alternative Grenzcamp gegen den Flughafenausbau. Weller-Kolbe hält die Arbeit der Aktion Toleranz für nötiger denn je. In der Bundesrepublik würden täglich im Schnitt zwei Menschen Opfer von Gewaltangriffen. Mittlerweile würden verstärkt Obdachlose und Behinderte attackiert. „Es ist nötig, dass wir uns dagegen wehren“, fordert Weller-Kolbe.

Das Jubiläum der Aktion Toleranz wird am Samstag, 13. September, 20 Uhr, im evangelischen Gemeindehaus in der Kirchgasse gefeiert. Die Band „Saure Gummern“ sorgt mit Ried Blues für Stimmung. Bereits am Montag, 8. September, 20 Uhr, wird die Aktion Toleranz im bis dann eröffneten Jugend- und Kulturcafé (Jukuca) im Mörfelder Bahnhof eine Info-Veranstaltung anbieten. Politikwissenschaftler Tobias Pflüger wird über das Thema „Was heißt hier Verteidigung?“ referieren, speziell über den Irak-Krieg und die Rolle Deutschlands. Auch die Anti-Kriegs-Initiative sowie die Initiative Jukuca unterstützen diese Veranstaltung. Die Aktion Toleranz, die derzeit elf Mitglieder zählt, trifft sich jeden zweiten Mittwoch im Monat um 20 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum Mörfelden in der Klingler-Straße.

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