IMI-Standpunkt 2003/082 - in: junge Welt, 25.08.2003

Dubiose Kameraden

Veteranenblatt: Deutsche Armee sollte weltweit für »innere Sicherheit« sorgen

von: Ulrich Sander | Veröffentlicht am: 2. September 2003

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Deutschlands soldatische Traditions- und Aktivistenverbände üben sich in Kameradschaftspflege. In der Ausgabe der Monatszeitschrift Die Gebirgstruppe, dem Blatt der »Kameraden unterm Edelweiß«, begeistert sich Exgebirgstruppengeneral Klaus Reinhardt daran, daß die USA und England im Irak »voll auf Risiko« gefahren seien und demonstriert hätten, »wozu eine kleine, aber höchst modern ausgerüstete und flexibel geführte Streitmacht heute fähig ist«. Tiefe Verachtung hat er für die Bundesregierung übrig: Diese rede über Wehrpflicht und Standorte, nicht aber über »die dringend überfällige technische Modernisierung der Bundeswehr«. Der ehemalige KFOR-Oberbefehlshaber im Kosovo hatte bereits im Juli 2002 bei einem Vortrag in Weilheim gefragt, warum man denn die Bundeswehr nicht zu Hause einsetze. Schließlich sei doch auch im Ausland die zentrale Aufgabe der KFOR und anderer internationaler Eingreiftruppen gewesen, dort für »innere Sicherheit« zu sorgen.

Die toten US-Soldaten hätten das Schicksal mit den gefallenen deutschen Kameraden von einst gemeinsam, stellt Die Gebirgstruppe fest: »Ihnen wird vorgeworfen, bei einem Angriffskrieg für ihr Vaterland gefallen zu sein.« Womit die Jäger von einst und jetzt bei ihrem Lieblingsthema sind, dem Vorbild der Naziwehrmacht.

Nachdem das 46. Pfingsttreffen der Nazigebirgsjäger am Hohen Brendten bei Mittenwald im Juni zum zweiten Mal von protestierenden Antifaschisten besucht wurde, empört sich die Gebirgstruppe, daß »die Radaubrüder, die schon im Vorjahr unsere Brendtenfeier zu stören versuchten«, auch »heuer wieder« dagewesen seien. »Schon der Gedanke zu solchem Frevel ist verwerflich.« Der Frevel der VVN-BdA und des Arbeitskreises »Angreifbare Traditionspflege« lief darauf hinaus, rund 200 überlebende Kriegsverbrecher namentlich und lautstark zu benennen, was einige der Genannten zur Erstattung von Anzeigen veranlaßte. Die 400 demonstrierenden Antifaschisten kündigten an, eine Tradition aus den Enthüllungen zu machen – und auch nächstes Jahr wiederzukommen. Vorher findet am 20. September, dem Jahrestag des Massakers auf der griechischen Insel Kephallonia 1943, vor der zuständigen Staatsanwaltschaft in Dortmund eine Protest- und Aufklärungsaktion statt.

Der Kameradenkreis der Gebirgstruppe will sich jetzt von einer anderen, einer »versöhnlichen« Seite zeigen, wie es heißt. Erstmals legte er am vergangenen Wochenende an Orten von Wehrmachtsmassakern auf Kephallonia und in Kommeno/Nordgriechenland Kränze nieder.

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