Pressebericht / in: Nürtinger Zeitung, 24. Juli 2003

Krieg als Konfliktlösung?

Interessante Workshops an der Fritz-Ruoff-Schule

von: hn / Nürtinger Zeitung / Claudia Haydt | Veröffentlicht am: 19. Juli 2003

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NÜRTINGEN (hn). Welche Bedeutung hat der Krieg in der Außenpolitik? Gibt es Alternativen? Diese und andere Fragen wurden jüngst in verschiedenen Workshops an der Fritz-Ruoff-Schule behandelt. Initiator des Informationstages ist die Schülermitverwaltung (SMV). Die Gastredner kamen aus Bereichen wie der Bundeswehr oder von Friedensinitiativen.

Krieg hat viele Gesichter. Damit die Schüler davon einen Eindruck bekommen, hatten die SMV und Lehrer der Fritz-Ruoff-Schule Menschen aus Politik, Militär und Gesellschaft eingeladen. In Workshops diskutierten sie mit den Jugendlichen über die Außen- und Verteidigungspolitik Deutschlands.

In dem Workshop „Kriegsgeneration und der Irakkrieg“ berichteten ehemalige Professoren der Universität Hohenheim von ihren Erfahrungen mit dem Zweiten Weltkrieg. Dr. Lore Blosser-Reisen erzählte wie sie zwölf Jahre alt war, als der Krieg ausbrach. Der Unterricht habe für sie nur unregelmäßig stattgefunden, da viele Schüler und Lehrer im Krieg oder bereits gefallen waren. 1940 ist sie zum Arbeitsdienst nach Österreich gekommen. Später studierte sie Landwirtschaft.

Kaum eine Familie sei von den Folgen des Zweiten Weltkrieges verschont geblieben. Viele Menschen seien im Krieg oder an seinen Folgen gestorben. Aus der Gefangenschaft kehrten viele Männer krank zurück. „Durch meine persönlichen Erfahrungen habe ich gelernt, dass es ohne Einsatz nicht geht.“ Heute engagiert sich die 75-Jährige unter anderem in der Frauengeschichtswerkstatt in Nürtingen.

Ihr ehemaliger Hohenheimer Kollege, Dr. Hartmut Albrecht, erzählte von seinen Erinnerungen an die Weimarer Republik: „Die Zeit war angefüllt mit vielen Problemen.“ Während der Inflation seien die Menschen durch die Straßen gezogen und hätten „Hunger!“ skandiert. „Das hat mich betroffen.“ In der Politik haben rechte und linke Parteien Zulauf bekommen. „Die Extreme haben die Mitte gefressen.“ Dann kam das Dritte Reich. In den Krieg sei er freiwillig gegangen, weil er von einem raschen Sieg ausging. Die Bilder des zerbombten Hamburg, wo er als Pionier gedient hatte, sind bei ihm noch in lebendiger Erinnerung. „Das Kriegsende habe ich als Erschütterung erlebt.“ Erst später habe er erfahren, was im Dritten Reich tatsächlich passiert war. „Ich wollte nur noch einen Acker und zwei Pferde.“ Deshalb studierte er in Hohenheim Landwirtschaft.

Albrecht erzählte, wie er dem amerikanischen Botschafter einen Brief zum Irak-Krieg geschrieben hat. „Sie müssen Ihr Volk belügen“, habe darin gestanden. Blosser-Reisen habe in ihrem Brief an Bundeskanzler Gerhard Schröder seine Haltung gelobt.

Das Engagement in der Politik sei wichtig, so Albrecht. Informieren könne man sich bei internationalen Medien und bei Organisationen wie Greenpeace oder Amnestie International. Er rät den Schülern, sich zu engagieren und am Ende des Schuljahres die Informationen zusammenzufassen und sie anderen zukommen zu lassen.

„Wir haben die Demokratie von den Amerikanern gelernt. In der Zwischenzeit ist sie stark von der Wirtschaft dominiert.“ Albrecht ist überzeugt: „Der Terror ist die Waffe der Rechtlosen und Unterdrückten. Man kann ihn nicht mit Gewalt und Krieg lösen.“

In einem weiteren Workshop ging es um die „Deutsche Außenpolitik aus Sicht von Politikerinnen“. Hier diskutierte Dr. Uschi Eid, Bundestagsabgeordnete der Grünen, mit den Schülern. „Der Irak-Krieg und die deutsche Politik“ war das Thema der Soziologin Claudia Haydt von der Informationsstelle Militarisierung aus Tübingen. Hauptmann Matthias Meyder sprach über die „Veränderungen in der Bundeswehr“.

Heike Hänsel von der Gesellschaft „Kultur des Friedens“ überlegte mit den Schülern die „Alternativen zum Krieg am Beispiel Irak“. Zwei andere Projektgruppen sorgten für die Video- und Fotodokumentation und das leibliche Wohl.

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