Pressebericht / in: Badische Zeitung vom Mittwoch, 19. März 2003

Irak nur ein Vorbote weiterer Kriege

Vorwürfe an die USA und ihre weltpolitischen Ziele bei Abend der Friedensinitiative Lörrach

von: rud / Badische Zeitung / Pressebericht / Dokumentation | Veröffentlicht am: 20. März 2003

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LÖRRACH (rud). Dass es beim Irakkrieg, der gerade in die letzte „heiße“ Phase tritt, weder um den viel beschworenen Anti-Terror-Kampf, noch um die Vernichtung von Massenvernichtungswaffen oder gar um die Herstellung von Demokratie geht, führte auf Einladung der Friedensinitiative Lörrach Tobias Pflüger von der Informationsstelle Militarisierung in Tübingen am Montagabend im Nellie Nashorn aus. Worum geht es also bei diesem völkerrechtswidrigen Unternehmen wirklich?

Gleich mehrere wesentliche Gründe zählte Pflüger auf. Erstens solle eine andere Hegemonialordnung in der Region etabliert werden. Als Staat, der sich nicht dem westlichen Wirtschaftsraum geöffnet habe, störe der Irak. Hier käme das so genannte „Frankenstein-Phänomen“ zum Tragen, dass ein enger Verbündeter, wie es der Irak ja über Jahre hinweg für den Westen war, jetzt zerstört werden solle. Der Regimewechsel werde aber nur die Staatsspitze betreffen und deshalb nicht zu einer Demokratisierung der örtlichen Strukturen, sondern zu einer über Jahre hinweg installierten Militärverwaltung führen.

Natürlich geht es dabei für Pflüger auch um Erdöl – weniger darum, welche Firmen die Förderung vornehmen, sondern welche das Öl aus dem Irak transportieren. Deshalb habe die USA als Kriegsszenario angekündigt, zuerst mit Soldaten die Ölfelder zu sichern und erst dann „kriegsrelevante“ Ziele anzugreifen. Auch soll die Opec geschwächt werden, die bisher den Ölpreis diktiert.

Der Krieg gegen den Irak sei zweitens ein indirekter Krieg gegen Saudi-Arabien, dessen Regierung überlege, den Verkauf des Öls nicht mehr in Dollars, sondern wie bereits Libyen und andere von der US-Regierung als „Schurkenstaaten“ verteufelte Länder in Euro durchzuführen. Der Krieg sei also auch ein Krieg um die Leitwährung, was das Verhalten der Franzosen und Deutschen erkläre, so der Tübinger. Drittens sei der Krieg gegen den Irak ein Testlauf für die neue Sicherheitsstrategie der USA, genannt „Bush-Doktrin“, die einen Präventivkrieg erlaube, wann immer die USA ihre Hegemonie irgendwo gefährdet sehen.

Pflüger nannte als weiteren Kriegsgrund die innenpolitische Situation in den Vereinigten Staaten. Der 11. September wurde zum Anlass genommen, einen permanenten Krieg zu führen. Nach Afghanistan und jetzt Irak, so befürchtet Tobias Pflüger, werde es zu einem Domino-Effekt kommen. Als nächste Kriegsschauplätze der USA nannte er den Iran, Palästina – wo Israel Palästinenser vertreiben werden – und Syrien.

(Anmerkung: Ungefähr 40 % des Vortrages beschäftigten sich mit der deutschen Rolle im Irakkrieg, leider ist davon nichts in dem ansonsten guten Pressebericht zu finden.)

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