Pressebericht / in: Neues Deutschland 17.03.2003

»Schmiere stehen für den Aggressor«

Münster: Kritik an Einsatz in Afghanistan

von: Peter Wolter, Münster / Neues Deutschland / Pressebericht / Dokumentation | Veröffentlicht am: 18. März 2003

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Gut 1000 Kriegsgegnerinnen und Kriegsgegner haben am Samstag in Münster gegen das dort stationierte Deutsch-Niederländische Korps protestiert.

Unter dem Motto »Vom Westfälischen Frieden zum globalen Blutvergießen?« wandten sich die vorwiegend dem autonomen und anarchistischen Spektrum zugehörigen Teilnehmer unter anderem dagegen, dass der Einsatz des Korps in Afghanistan die indirekte Beteiligung Deutschlands am bevorstehenden Irak-Krieg bedeute. Die Anspielung auf den »Westfälischen Frieden« sollte daran erinnern, dass in Münster und Osnabrück mit den Verhandlungen zur Beendigung des 30jährigen Krieges im Jahre 1648 der Grundstein des modernen Völkerrechts gelegt wurde.

»Das Deutsch-Niederländische Korps in Afghanistan ist ein Kompensationsgeschäft dafür, dass deutsche Streitkräfte im Irak nicht mitbomben«, kritisierte bei der Auftaktkundgebung Tobias Pflüger von der Informationsstelle Militarisierung (Tübingen). Er wertete die Bewachung von US-Kasernen in Deutschland durch die Bundeswehr als »Schmiere stehen« für den Aggressor. Der Vorschlag von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), im Irak UNO-Blauhelme einzusetzen, sei lediglich ein alternatives Konzept zur Eroberung des Irak.

»Wir wollen weder eine Weltmacht USA noch eine Weltmacht EU. Und schon gar keine neue Weltmacht Deutschland!«, sagte Pflüger unter großem Beifall. »Wer amerikanische und britische Kriegspolitik kritisiert, darf zur deutschen Kriegsunterstützung nicht schweigen.« Pflüger und andere Kundgebungsredner forderten die an den Kriegsvorbereitungen beteiligten Soldaten auf, den Kriegsdienst zu verweigern oder zu desertieren.

Die Abschlusskundgebung fand vor dem durch starkes Polizeiaufgebot gesicherten Stabsgebäude des Deutsch-Niederländischen Korps statt. Das Gebäude war weiträumig abgesperrt, in den Nebenstraßen standen Dutzende »Wannen«, außerdem auch eine Hundestaffel, bereit. Die Polizisten hinter den Absperrgittern wurden von Demonstranten mit roten Papierschwalben »bombardiert« – ein Nebengebäude des Korps war schon vorher mit roten Farbbeuteln attackiert worden.

Die Zahl der Teilnehmer war nach dem etwa vierstündigen Demonstrationszug zum Schluss allerdings deutlich geschrumpft. Einige Organisatoren kritisierten am Rande, dass die Gesamtzahl der Teilnehmer trotz bundesweiter Mobilisation hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei.

Am Tag zuvor hatte in Münster mit ebenfalls etwa 1000 Teilnehmern eine Antikriegsdemonstration des örtlichen »Friedensforums« stattgefunden. Auf der Kundgebung sprachen Schüler, ein Vertreter von Pax Christi sowie Oberstleutnant a.D. Helmuth Prieß vom »Darmstädter Signal«. Das »Friedensforum« wird von regierungskritischen Anhängern der Grünen und der SPD dominiert. Beide Veranstaltungen verliefen nach Polizeiangaben ohne Zwischenfälle.

(ND 17.03.03)

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