Pressebericht / in: Sozialistische Hefte, Nr. 3

Jürgen Wagner: Das ewige Imperium

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von: Dirk Eckert | Veröffentlicht am: 3. Februar 2003

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Washington setzt, so Jürgen Wagner, auch nach dem 11. September weiter auf die „imperiale Strategie“. Diese folge der Theorie des „offensiven Realismus“ und reagiere auf Herausforderung mit einem weiteren Ausbau eigener Macht. Wagner belegt seine These mit einer Untersuchung der Antiterrorstrategie der Bush-Regierung, die unter dem Deckmantel des „Krieges gegen den Terror“ willkürlich Länder als Freunde ansieht oder als „Achse des Bösen“ zum Abschuss freigibt und dabei auch den Bruch des Völkerrechts in Kauf nimmt – gerade so, wie es den eigenen Interessen nütze. Zu letzterem zählt Wagner der Krieg gegen Afghanistan. Die Anschläge seien da nur der »Auslöser eines längst beschlossenen Krieges« gewesen: Eines Krieges um den »Zugang zu Schlüsselmärkten und strategischen Ressourcen«, den ein offizielles Dokument der amerikanischen Regierung als vitales Interesse der USA bezeichnet.

Wagner hat seine ursprünglich als Studie der PDS-Bundestagsfraktion erschienene Untersuchung quellenmäßig gut belegt. Der politikwissenschaftliche Ansatz des Buches verhindert es, dass die Kritik an der US-Politik ins Antiamerikanische abrutscht und vermeintliche typische amerikanische Eigenschaften wie Gewalttätigkeit, Cowboymentalität oder ähnlicher Unsinn als Erklärungsmuster auftauchen – auch wenn vielleicht das Cover des Buchs mit Cowboy Bush etwas anderes vermuten lässt. Wagner leitet das Verhalten der USA richtigerweise aus ihrer Stellung im Internationalen System ab und spricht mit Bruce Cronin vom „Paradox der Hegemonie“, mit dem die USA als hegemoniale Macht zu kämpfen hätten. Demnach neigt der Hegemon dazu, Regeln zu brechen, weil er das ungestraft tun kann. Damit untergräbt er aber gleichzeitig die Stabilität der Ordnung, die er erhalten will.

Aus einer linken, herrschaftskritischen Perspektive, die Wagner einnimmt, kann es deshalb auch keine Lösung sein, auf die EU als militärische Konkurrentin zu setzen. „Unweigerlich würde eine zweite Macht etabliert werden, deren Präferenzen ebenfalls nicht auf einem friedlichen Zusammenleben der Völker liegen, sondern die sich ausschließlich an den militärischen Kategorien von Gut und Böse, Sieg und Niederlage orientiert“, so Wagner. Ganz will aber auch er nicht auf einen „europäischen Verbund“ verzichten, der in der Lage sein soll, den „Prozess der Globalisierung zu steuern und die Macht der transnationalen Konzerne zu beschränken“.

Jürgen Wagner, Das ewige Imperium. Die US-Außenpolitik als Krisenfaktor, Hamburg: VSA-Verlag, 2002, 172 Seiten, 12,80 Euro.

URL: http://www.dirk-eckert.de/texte.php?id=381

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