Pressebericht / in: Wissenschaft und Frieden 1/2003, S. 55

Buchrezension von „Das ewige Imperium“

von Lars Klingbeil

von: Lars Klingbeil / Pressebericht / Dokumentation | Veröffentlicht am: 10. Januar 2003

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Jürgen Wagner: Das ewige Imperium – Die US-Außenpolitik als Krisenfaktor, VSA-Verlag, Hamburg 2002, ISBN 3-87975-884-0, 171 S., 12,80 Euro

Viele Bücher sind und viele Bücher werden noch erscheinen, die sich mit dem 11. September und den folgenden weltpolitischen Veränderungen beschäftigen. Hier setzt auch Jürgen Wagner an: In seinem Buch untersucht er die neue US-amerikanische sicherheitspolitische Strategie, fragt nach Alternativen und ganz besonders nach der zukünftigen Rolle der Europäischen Union in der Weltpolitik.

Am Anfang des Buches steht die Analyse der außenpolitischen Präferenzen der USA. Überschaubar werden dabei die einzelnen Ansätze der US-Außenpolitik und ihr Agieren in den internationalen Beziehungen dargestellt. Es wird deutlich, wie stark die USA versuchen, die Globalisierung zum Ausbau ihrer kulturellen Vorherrschaft zu nutzen. Der Ausbau von US-Hegemonie stützt sich dabei auf die weltweite, militärische Dominanz.

Wie massiv die Ausbreitung der Hegemonialpolitik und das Ziel der Machtmaximierung in der neuen sicherheitspolitischen Ausrichtung der USA steht, wird im zweiten Kapitel („Das Imperium schlägt zurück“) beschrieben. Wagner geht auf die aktuellen Ereignisse ein (Afghanistan, Irak etc.) und verbindet diese mit den strategischen Ansätzen der Bush-Administration. Auch neue Kriege werden angedeutet: „Mit der Bush-Doktrin wurde schnell klar, dass Washington weitere Angriffe plant.“ (S. 91)

Anhand zahlreicher Zitate wird belegt, dass geostrategische und ökonomische Interessen hinter dem sogenannten Kampf gegen den internationalen Terrorismus stehen und wie der Freiheitsbegriff in diesem Kampf missbraucht wird. Ein größerer Teil des Buches widmet sich dem kaspischen Raum, der – der amerikanischen Logik folgend – zentraler Konfliktpunkt im geostrategischen Interesse der USA sein dürfte.

Kritisch werden im dritten Kapitel die neue US-Strategie und der unilateralistische Ansatz unter die Lupe genommen. Wagner spricht sich für langfristige Schritte zur Deeskalation aus und deutet an, wie sich die US-Politik ausrichten müsste, um Frieden zu sichern. Eine neue Ära der Weltpolitik, so Wagner, würde sich dann einstellen, wenn die USA auf „kooperative Zusammenarbeit der Großmächte“ setzen würden und damit auf Deeskalation. „Damit wäre der Weg frei für eine Konzentration auf die Förderung von Demokratie, wirtschaftlicher Entwicklung, internationaler Kooperation gegen Proliferation und die Stärkung ziviler Formen der Konfliktbearbeitung bei gleichzeitigem Gewaltverzicht.“ (S. 142)

Im letzten Kapitel wird die Rolle der Europäischen Union diskutiert. Jürgen Wagner sieht drei mögliche Entwicklungslinien: Europa als Zivilmacht, Europa in einer Allianz der Besitzenden mit den USA oder Europa als militärisch gestärkter Konkurrent der USA. (S. 145) Man muss Wagner in der Begrenzung auf diese drei möglichen Entwicklungslinien nicht zustimmen. Die Debatte, die er hier aufmacht, dürfte aber zentral sein für die sicherheitspolitische Diskussion der kommenden Jahre. Welche Rolle spielt die Europäische Union künftig in der Weltpolitik und wie soll sie diese Rolle wahrnehmen? Wagner spricht sich für die Rücknahme der begonnenen Schritte der Militarisierung aus und fordert die Herausbildung einer Friedensmacht Europa.

Jürgen Wagner hat mit „Das ewige Imperium“ ein Buch vorgelegt, dass tiefgreifend analysiert, sich auch mit dem historischen Kontext befasst und nützlich ist für die aktuelle politische Debatte. Nebenbei sei bemerkt, dass das Buch auch eine gute Literaturübersicht zum Thema bietet und angenehm zu lesen ist.

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