in: Friedensjournal Nr. 5, November 2002-12-05

Das ewige Imperium

Jürgen Wagner: Das ewige Imperium. Die US-Außenpolitik als Krisenfaktor. Hamburg: VSA-Verlag, 2002. 171 Seiten, Preis 12,80 EUR. ISBN 3-87975-884-0.

von: Bernd Guß / Friedensjournal / Dokumentation | Veröffentlicht am: 9. Dezember 2002

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Die imperiale Strategie der USA, aus der sich die Ziele und Mittel der US-Außenpolitik ableiten lassen, ist das Thema der vorliegenden Studie von Jürgen Wagner, Vorstandsmitglied bei der Tübinger Informationsstelle Militarisierung (IMI).

Anders als die außenpolitischen Eliten der USA, die behaupten, dass das Ziel der US-Politik die Sicherung des Weltfriedens sei, kommt der Autor zu dem Schluss, dass in der Praxis die Außenpolitik der USA auf Maximierung ihres politischen Einflusses ausgerichtet ist. Seit dem Ende des Kalten Krieges stellt die Festigung der eigenen Position als Supermacht das überragende Ziel der US-Außenpolitik dar. Die Strategie der Wahrung und des Ausbaus der US-Hegemonie ist in der Praxis bereits vor, insbesondere aber auch nach den Terroranschlägen des 11. September fester Bestandteil der US-Politik.

Die rigorose Wahrung der US-Interessen und die hegemoniale Stellung der USA nimmt einerseits weiten Teilen der Weltbevölkerung jegliche Möglichkeit auf eine menschenwürdige Existenz (was eine der Ursachen für die zu beobachtende Zunahme des Terrorismus ist) und andererseits verschärft sie zahlreiche Konflikte im zwischenstaatlichen Bereich und birgt damit eine ständige Eskalationsgefahr in sich.

Nicht nur im Ausland, auch in den USA selbst wird diese Politik kritisiert und vor dessen Folgen gewarnt. So hat z. B. der amerikanische Politikprofessor Chalmers Johnson bereits im Jahr 2000 vor möglichen Folgen der US-Außenpolitik gewarnt: „Anstatt nach dem Kalten Krieg abzurüsten, widmeten sich die Vereinigten Staaten unklugerweise der Aufrechterhaltung eines weltumspannenden Imperiums (…) Die Begleiterscheinungen dieser Strategie werden wahrscheinlich in zunehmendem Maße Ressentiments gegen alles Amerikanische (…) hervorrufen, die tödliche Folgen haben können.“ (S. 7)

Das Fazit der außenpolitischen Präferenzen der US-Außenpolitik liegt auf der Hand: „Viele Konflikte eskalieren in dem Maße, wie durch die Globalisierung verschärfte ökonomische Misstände auftreten, mit denen die USA völlig zu recht assoziiert werden.“ (S. 39). Auch wenn die USA nicht für jeden Konflikt verantwortlich gemacht werden können, so wird doch deutlich, dass sie mit ihrer Politik entscheidend dazu beitragen, dass zahlreiche Spannungen eskalieren und nicht entschärft werden.

Jürgen Wagner hat mit seiner Studie eine faktenreiche und spannende Analyse der US-Außenpolitik vorgelegt, die sich nicht mit einfachen Denkschablonen zufrieden gibt. Dem Buch kann nur eine breite und kritische Leserschaft gewünscht werden

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