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Weitere Berichte aus Florenz

Diskussionsbeiträge von Teilnehmer/innen

von: ESF / diverse | Veröffentlicht am: 2. Dezember 2002

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Hier finden sich ähnliche Artikel

Quelle: http://www.attac.info/fse

1, 2, 3, 4, we don’t want your f*cking war!

Verfasser : Laura G.

Link : http://www.stopwar.org.uk

Am 28. September 2002 demonstrierten 400 000 Menschen in London gegen den bevorstehenden Krieg gegen Irak. Diese unglaubliche Zahl an Menschen brachte die britische „Stop the War Coalition“ auf die Straße. Wie haben sie das geschafft?
Am 28. September 2002 demonstrierten 400 000 Menschen in London gegen den bevorstehenden Krieg gegen Irak. Diese unglaubliche Zahl an Menschen brachte die britische „Stop the War Coalition“ auf die Straße. Wie haben sie das geschafft?

Eines der zentralen Themen auf dem ESF in Florenz ist „Krieg und Frieden“. Gestern bot die „Stop the War Coalition“ ein Seminar an, bei dem u.a. Tobias Pflüger (IMI, Deutschland), Asad Rehman (Menschenrechtler, Großbritannien) und Vertreter der griechischen Friedensbewegung sprachen.

In der deutschen Presse erscheint es so, dass Bundeskanzler Schröder weiterhin gegen den Krieg im Irak ist, erklärte Tobias Pflüger. Doch von deutschem Boden aus werden trotzdem Kriegsvorbereitungen getroffen: Die Amerikaner nutzen ihre Luftwaffenbasen Ramstein, Frankfurt und Spangdahlem, um Truppen und Material in Richtung Irak zu schaffen. Bundeskanzler Schröder lässt die USA gewähren. Und am 21./22. November steht die nächste wichtige Entscheidung für oder gegen den Krieg an: Auf dem NATO-Treffen in Prag könnte zumindest die Legitimation durch die NATO verhindert werden (womit gleichzeitig die Nutzung der amerikanischen Militärbasen in Deutschland unrechtmäßig würde). Doch höchstwahrscheinlich wird Gerhard Schröder die USA auch dort gewähren lassen – obwohl er sein Veto einlegen (und damit sein Wahlversprechen einlösen) könnte.

Aktionen gegen diese Hintergehung sind geplant, es wird allerdings keine so große Teilnehmerzahl wie in Großbritannien erwartet, wo die Stop the War Coalition ein breites Netzwerk aufgebaut hat. Mit den Grundsätzen „Stoppt den Krieg!“, „Nein zu rassistischen Repressalien!“ und „Verteidigt die bürgerlichen Freiheiten!“ haben sie große Unterstützung durch alle Schichten und Gruppierungen der Bevölkerung erreicht. Asad Rehman (Stop the War Coalition) rief dazu auf, europaweit Widerstand gegen den Krieg zu leisten und sich zusammenzuschließen. Er zeigte sich enttäuscht über die Reaktionen der Linken gegenüber Muslimen: Es bestünden noch Berührungsängste und Diskriminierungen, die eine erfolgreiche Zusammenarbeit verhinderten.

Am 15. Februar 2003 findet in London der nächste große Aktionstag statt: Mit Streiks und Demonstrationen soll die Stadt lahm gelegt werden. Die Stop the War Coalition rief dazu auf, diesen Tag europaweit zu nutzen: „Legt alle europäischen Hauptstädte lahm!“
Am Ende der Rede Asad Rehmans tobte der Saal. Zwischen rhythmischem Klatschen wurde der Ruf laut „1, 2, 3, 4 we don’t want your f*cking war!“ (wörtlich übersetzt: „1, 2, 3, 4, wir wollen deinen verf*ckten Krieg nicht!“).

Auch von der griechischen Friedensbewegung können sich die deutschen Organisationen etwas abschauen. Während des Kosovo-Krieges beispielsweise gingen tausende Menschen auf die Straße, Bahnstrecken und Häfen wurden blockiert und/oder bestreikt, sodass der kriegswichtige Nachschub an Waffen und Soldaten stark behindert wurde.

Wir brauchen einen europaweiten (weltweiten) Protest, den Medien und Politiker nicht ignorieren können. Der Grundstein dafür kann hier in Florenz gelegt werden: Indem wir ein europaweites Netzwerk gegen diesen Krieg bilden.
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Quelle: http://www.indymedia.de/2002/11/34404.shtml

Nach Florenz – neue Wege in der BRD

von Mr. Bones – 14.11.2002 19:16

Viel wurde über den Geist des Europäischen Sozialforums und die Stimmung auf einer der größten Anti-Kriegs-Demonstrationen in der Geschichte des Kontinents gesprochen – doch nun beginnt die Diskussion über die Formen und Wege, wie Protest auch in der Bundesrepublik hör- und sichtbarer artikuliert werden kann.

Eine kurze Übersicht der jüngsten Debatte.
Schon auf der Zusammenkunft der deutschen Teilnehmer des Europäischen Sozialforums am Rande dieses Kongresses wurden erste Schlussfolgerungen gezogen, wie versucht werden könnte, die sozialen Bewegungen in Deutschland zu einen und zu stärken.

Auf der Beratung meldeten sich neben Peter Wahl von attac-Deutschland Vetreter unterschiedlicher politischer Strömungen und Initiativen zu Wort. So betonte Tobias Pflüger von der Informationsstelle Militarisierung (IMI) in Tübingen, die Konferenz habe bestätigt, dass „Neoliberalismus und Krieg zwei Seiten ein und der selben Medaille“ seien und dass dieser Zusammenhang der Breite der Bewegung klar vor Augen stehe. Mit anderen Friedensaktivisten wurde dazu aufgerufen, massenhaft gegen die Sicherheitskonferenz (ehemals Wehrkundetagung) in München vom 7. – 9. Februar 2003 zu mobilisieren.

Unter anderen äußerte sich auch der Vorsitzende der DKP, Heinz Stehr, der auf die Notwendigkeit verwies, auch in der BRD auf „lokaler und regionaler Ebene“ die Gründung von Sozialforen zu erwägen. Dies sicher auch vor dem Hintergrund, dass in Italien in den meisten großen Städten solche Initiativen bereits existieren.

Überraschend war die große Einigkeit, mit der die deutschen Delegierten zumindest in diesem eher kleinen Rahmen auftraten.

Bei Betrachtung der gegenwärtigen Debatte fällt hierzulande auf, dass die Grenzen innerhalb der Europäischen Union vor allem im emotionalen Bereich weiterhin sehr groß sind, während der gemeinsame Gegner in Brüssel bei NATO und EU die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zusehends perfektioniert.

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