in: Main-Echo 30.09.2002

Attac: Bush will Iraks Öl als Ersatz für Saudi-Quellen

USA-Kritiker rechnet mit Provokation durch die USA

von: Main-Echo / Dokumentation / Jürgen Wagner | Veröffentlicht am: 2. Oktober 2002

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Aschaffenburg. »Die USA werden Bagdad angreifen, unabhängig davon, ob UNO-Inspektionen zu Stande kommen oder nicht« lautete das Fazit von Jürgen Wagner von der Informationsstelle Militarisierung Tübingen e.V. (IMI) im Café »Schwarzer Riese«. Eingeladen hatten Aschaffenburger attac-Arbeitsgruppen und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Wagner sagte, die US-Regierung räume ein, dass sie über keinerlei »schlagende Beweise« verfüge, die sie dem US-Kongress vorlegen könne. »Wenn wir auf den schlagenden Beweis dafür warteten, wäre es zu spät«, zitierte der Referent den US-Verteidigungsminister. Das stärkste Argument gegen eine Gefahr für die Nachbarn Iraks sei, dass diese angeblich bedrohten Nachbarn gegen den US-Krieg seien. Es bleibe der Vorwurf, der Irak setze seine Massenvernichtungsmittel generell und in jeder Auseinandersetzung ein, was eine nicht tolerierbare Gefahr für die USA, vor allem aber auch für Israel bedeute. Die CIA habe keine Beweise, dass der Irak innerhalb fast eines Jahrzehntes in terroristische Operationen gegen die USA verwickelt gewesen sei. Die Spionageagentur sei ebenfalls davon überzeugt, dass Hussein keine chemischen oder biologischen Waffen an El Kaida oder ähnliche terroristische Gruppen geliefert habe.

Auf der Suche nach tiefer liegenden Kriegsgründen lenkte der Referent das Augenmerk auf die von US-Offiziellen vorgebrachten »vitalen Interessen« des Westens an den Ressourcen in der Golfregion. Zudem sei Saudi-Arabien zu einem einen »unsicheren Kameraden« geworden, gegen den man gewaltsam einen »demokratischen Irak« schaffen wolle, der als drittgrößtes Förderland die westlichen Zivilgesellschaften und Kriegsmaschinerien vom saudischen Öl unabhängig machen könne. »Falls es Washington nicht gelingt, die Forderungen so hoch zu schrauben, dass Hussein die Inspektoren ausschließt, ist zu erwarten, dass es einen Zwischenfall provozieren oder inszenieren wird, der dann die Legitimation zum Angriff – nun unter UNO-Mandat – geben soll«, schloss Jürgen Wagner.

Auf die Frage, was denn für die Friedensbewegung zu tun bleibe, wenn der Krieg ohnehin schon nicht mehr zu verhindern und eine beschlossene Sache sei, antwortete Wagner: »Das wollte ich so nicht rüberbringen!« Nach dem wohl wahlkampfentscheidenden »Nein« des Bundeskanzlers zum Irak-Krieg hieße es jetzt umso mehr, die rotgrüne Regierung zu dessen Beibehaltung zu drängen.

Quelle: http://www.attac-aschaffenburg.de/presse/ME020930.htm

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