in: Kölner Stadtanzeiger 05.09.2002

„Überlegenheit um jeden Preis. Die Amerikaner geraten zusehends in Isolation“

"Folge der Außenpolitik der Regierung George W. Bush, die die Partner immer häufiger düpiert." - Buchrezension "Das ewige Imperium" von Jürgen Wagner im Kölner Stadtanzeiger

von: Marianne Bäumler / Dokumentation / Kölner Stadtanzeiger / Jürgen Wagner | Veröffentlicht am: 13. September 2002

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Unter dem Titel „Überlegenheit um jeden Preis. Die Amerikaner geraten zusehends in Isolation – Folge der Außenpolitik der Regierung George W. Bush, die die Partner immer häufiger düpiert.“ bespricht Marianne Bäumler im „Kölner Stadt-Anzeiger“ vom 5. September 2002 das soeben erschienene Buch „Das ewige Imperium“ von Jürgen Wagner.

„Auf Grund der globalen Natur unserer Interessen und Verpflichtungen müssen die USA ihre militärisehe Präsenz in Übersee sowie die Fähigkeit, schnell weltweit Macht ausüben zu können, erhalten, um eine Dominanz auf allen Gebieten zu erlangen.“ Dieses Zitat ist einer der zahlreichen gut recherchierten Originaltöne amerikanischer Selbstgerechtigkeit, mit welchen der Tübinger Politologe Jürgen Wagner auf die Risiken imperialer Vorherrschaft der Bush-Administration aufmerksam macht.

Aus dem vorbildhaften Demokratie-Verständnis amerikanischer Politik scheint sich eine Überlegenheits-Ideologie um jeden Preis entwickelt zu haben. „Das Recht des Stärkeren“ wird zur Devise einer Geopolitik, die geradezu panisch nach dem Ende des Kalten Krieges unbedingt einzige Supermacht bleiben wollte. Ausschließlich „der Wille zur Machtmaximierung ist handlungsleitend“. So konzentriere sich eine selektive Wahrnehmung in Pentagon und „foreign Office“ zwar auf „die Gefahren der Verbreitung von Massenvernichtungsmitteln“ in so genannten Schurkenstaaten, die US-eigenen riesigen Waffen-Arsenale dürften aber von keinem europäischen Verbündeten ernsthaft in Frage gestellt werden.

Auch die amerikanische „Abneigung“ gegenüber internationalen Organisationen, Verträgen und kooperativem Verhalten ist sowohl unter Demokraten und Republikanern weit verbreitet. „Allerdings habe sich diese Tendenz unter George W. Bush und nachdem 11. September 2001 dramatisch verschärft.“ Solche Besorgnis des Politologen Jürgen Wagner erfuhr gerade in Johannesburg bedrückende Aktualität. Das heutige Weltsystem beruht nicht auf einem Mächtegleichgewicht, sondern auf der amerikanischen Hegemonie, ob in der Finanzwelt oder im Bezug auf internationale Sicherheitsstrukturen. „Jede Verringerung dieses Einflusses (würde) es anderen ermöglichen, sich ihrerseits eine größere Rolle bei der Gestaltung der Welt zu verschaffen, um auf diese Weise ihren eigenen Interessen zu dienen.“ Anhand solcher Formulierungen entlarvt Wagner in seinem verständlich geschriebenen und detailreichen Buch eine bedenkliche Doppelmoral amerikanischer Regierungspolitik. Diese Erkenntnis ist für den Autor auch ein Ansatz, die Gefahren des weltweiten islamistischen Terrors für uns alle zu reduzieren. Und er fordert von Europa gemeinsame Akzente einer zivilen Konfliktstrategie, um „auch die USA schrittweise zu einer Änderung ihrer Politik zu veranlassen und einen Beitrag zu einer gerechteren und friedvolleren Welt zu leisten.“

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