Ein Kurzkommentar zur Rede von US-Präsident George W. Bush im deutschen Bundestag am 23.05.2002

Historisch oder nicht…

Bushs Rede im Bundestag zeigte vor allem eins: Das "Haus der Freiheit" steht auf dem Fundament des Krieges.

von: Christoph Marischka | Veröffentlicht am: 3. Juni 2002

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Offensichtlich hatten die deutschen Zeitungen mehr erwartet : Es wäre keine historische Rede gewesen, Bush hätte sich zurückgehalten und besonnen gesprochen. Der Versuch von Seiten einiger PDS-Abgeordneter, ein Transparent, welches ein Ende des Krieges fordert, zu entrollen, wurde weitestgehend als unverschämte Peinlichkeit beurteilt. Ist den niemandem aufgefallen, dass Bush in seiner Rede selbst die freie Meinungsäußerung als Kriterium der eigenen, christlichen, „Guten“ Seite nannte ?

Was aber hat Bush in seiner Rede gesagt ?

Die Geschichte habe den Beweis für die Notwendigkeit der NATO erbracht, die im Kampf gegen das „neue Böse“ ihre Verheißung erfüllen soll. Diese Verheißung soll wohl das „House of Freedom“ sein, welches gegen einen das Leben verachtenden und den Tod glorifizierenden, grundlos hassenden und unsere Freiheit bedrohenden Feind verteidigt werden muss.

Die Intention des „Feindes der Freiheit“ braucht auf Grund seiner reinen Bösartigkeit gar nicht analysiert werden, Hauptsache sie betrifft uns alle und ist böse und erinnert an Hitler. Bush erwähnt in seiner scharfsinnige Analyse trotzdem in einem Nebensatz, der Feind tötet „im Namen einer falschen religiösen Reinheit“. Was „richtige religiöse Reinheit“ ist, wird im Laufe seiner Rede klar, in der er die Gemeinsamkeiten zwischen den USA und Europa mittels Bezug auf die „großen Christen“ Luther, Franziskus und Bonhoeffer (!) herstellt, und dieses kulturelle Erbe als Zivilisation und Freiheit deklariert.

Das Wort Freiheit als Symbol einer „Partnerschaft der zivilen Welt“ wird in der gesamten Rede dermaßen inflationär und sinnentleert verwendet, dass es schon wieder ein treffendes Symbol ist für die große Mobilmachung unter amerikanischer Flagge gegen, nun, wer auch immer von Bush als „Das Böse“, „Die Bedrohung“ oder „Verschwörung gegen unsere Freiheit und unser Leben“ bezeichnet wird.

Wie man gegen diesen Feind vorzugehen hat wird auch kurz erwähnt : Geduldig, entschlossen, grausam und gnadenlos, auch gegen Alle, die ihn unterstützen.

Europa soll sich an diesem Kampf beteiligen, weil „die Terroristen“ „auch die Karten von Europa kennen“ und Europa ja im gleichen Boot sitzt und offensichtlich die ganze Zeit genauso bedroht ist, wie die USA. Ach ja und dann noch der „gemeinsame schöpferische Geist“, „gemeinsame ökonomische Macht“, „gemeinsames moralisches Erbe“ und „gemeinsame demokratische Visionen“.

Dann wird da weiter viel von „Freundschaft“ und „Partnerschaft“ geredet und was man nicht alles zusammen erreicht hätte und wie dankbar die USA sind, dass erstmals seit 1945 Deutschland wieder an Kampfeinsätzen teilnimmt. Freundschaft heißt übrigens auch, dass ein russischer Colonel gerade irgendwo unter einem amerikanischem General dient, das gab es zwar auch schon mal, da war der Freund aber ja genauso böse und die Freundschaft vermutlich genauso dauerhaft.

Freundschaft heißt auch, das sagt Bush wörtlich, dass sich jede Nation auf ihre militärischen Fähigkeiten konzentrieren und den Preis für Rüstung tragen muss.

Dass er die bescheidene und schön verpackte Kritik in Thierses einleitender Rede nicht gehört hat, wird dann spätestens deutlich als er eine weitere Waffe gegen den Terror benennt : Man müsse den Handel ausdehnen, den Wohlstand großzügig und weise verteilen und alle müssen sich an die Gebote der WTO halten, um Stahlzölle geht es dabei aber nicht.

May God Bless!

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* Christoph Marischka ist Mitarbeiter und war zuvor Praktikant bei der Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V.
Christoph Marischka ist ab sofort die Ansprechperson für den Themenbereich „Krieg und Medien“ bei IMI.

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