in: Schwäbisches Tagblatt 22.05.2002

Demo gegen beide

In Berlin wird gegen Bush und Schröder demonstriert

von: Schwäbisches Tagblatt (Michael Hahn) / Pressebericht / Dokumentation / Tobias Pflüger | Veröffentlicht am: 23. Mai 2002

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TÜBINGEN. In Berlin demonstrieren Zehntausende gegen den Besuch des US-Präsidenten George Bush, darunter auch einige Dutzend Tübinger. Einer der Kundgebungsredner ist Tobias Pflüger. Wir erreichten den Tübinger Kriegsgegner gestern nachmittag auf dem Alexanderplatz.

F: Wogegen richten sich die Demonstrationen in Berlin?

Gegen das Treffen zweier Herren. Einer hat den „großen Krieg gegen den Terror“ ausgerufen, der andere hat seine „uneigeschränkte Solidarität“ verkündet. Bushs Besuch bei Schröder ist eine ideale Gelegenheit gegen die Politik der beiden zu demonstrieren.

F: Bei den Ostermärschen der Friedensbewegung haben nur wenige Tausend demonstriert. Warum demonstrieren aber Zehntausende gegen Bush?

Viele Leute sind erschreckt von der Formulierung „Achse des Bösen“ und der Ankündigung möglicherweise Mini-Atomwaffen einzusetzen. Ganz zentral sind die Kriegsvorbereitungen gegen den Irak. Außerdem kündigen die USA zur Zeit viele internationale Verträge, z.B. das Klima-Protokoll von Kyoto oder das Abkommen gegen Landminen.

F: Kritik an Alleingängen üben auch europäische Regierungen. Fordert die Friedensbewegung eine stärkere EU um die USA einzudämmen?

Ich habe wenig Vertrauen, wenn insbesondere Deutschland seinen weltpolitischen Aufstieg organisiert. Die EU eifert mit militärischen Mitteln den USA nach und ist in vielerlei Hinsicht bereits zum Konkurrenten der USA geworden. Wir lehnen jede Militarisierung ab, egal ob unter der Führung der USA oder der Europas. Das führt nur dazu, daß die Hürde Krieg zu führen immer niedriger wird. Die Leidtragenden sind die Zivilbevölkerungen. So wie in Afghanistan, wo bisher mindestens 4.000 Zivilisten getötet wurden.

F: Sie waren vor kurzem in New York und haben dort auf einer linken Konferenz gesprochen. Wie nehmen US-Amerikaner die Demonstrationen in Europa wahr?

Die Stimmung ist dort gar nicht mehr so pro Krieg, wie das hier berichtet wird. Auch in den USA wird immer mehr Leuten bewußt, daß da ein permanenter Krieg geführt werden soll. Der 11. September wird dafür nur als Anlaß genutzt. Und die deutsche Regierung macht da mit. Mittlerweile sind weltweit rund 10.000 Bundeswehr-Soldaten im Einsatz unter anderem in Kuwait und am Horn von Afrika. Da wirde in Krieg gegen den Irak vorbereitet.

Die Fragen stellte Michael Hahn

Artikel im Original als PDF-Datei: http://imi-online.de/download/tagblatt-bush-pflueger.pdf

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