in: Stuttgarter Nachrichten, 13.05.02

Atomgegner kein Störfall

Nur 500 statt erwarteter 2000 Teilnehmer bei Protest

von: Pressebericht / ALEXANDER HETTICH / Stuttgarter Nachrichten / Dokumentation | Veröffentlicht am: 14. Mai 2002

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Etwa 500 Kernkraftgegner haben am Samstag in der Innenstadt gegen das Deutsche Atomforum demonstriert, das diese Woche im Kongresszentrum Liederhalle tagt. Die befürchteten Verkehrsbehinderungen durch den Protestzug sind ausgeblieben.

VON ALEXANDER HETTICH

Die Demonstration von der Lautenschlagerstraße über die Friedrichs- und Kriegsbergstraße zur Liederhalle und dann zum Wilhelmsplatz war der Auftakt zu einer Reihe von Protestaktionen gegen die dreitägige Jahrestagung Kerntechnik, die am Dienstag beginnt. Zahlreiche Gruppen von Kernkraftgegnern aus der ganzen Bundesrepublik hatten gegen das „Gipfeltreffen der Atomlobby“ mobil gemacht.

Gleichwohl nahmen statt der angekündigten 2000 nur etwa 500 Atomgegner an dem Protestzug teil. So kam es auch nicht zum befürchteten Verkehrschaos in der Innenstadt, wo wegen des Langen Samstags und der Buchmeile auf dem Schlossplatz Hochbetrieb herrschte. Die Behinderungen im Bereich der Friedrichstraße seien „minimal“ gewesen, hieß es von Seiten der Polizei, die anfangs mit 500 Beamten im Einsatz war. „Einen großen Teil unserer Leute konnten wir gleich wieder abziehen“, so ein Sprecher. Die gesamte Demonstration sei „völlig friedlich und störungsfrei“ verlaufen.

Auf Transparenten und in mehreren Redebeiträgen ließen die Demonstranten keinen Zweifel an ihrer Position aufkommen. „Wir fordern die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen“, sagte Heidi Lindstedt vom Stuttgarter Bündnis gegen das Atomforum. Auch bei der Abschaltung aller deutschen Atomkraftwerke, ist Lindstedt überzeugt, drohe kein Energieengpass. „Es gibt genügend Überkapazitäten bei der Stromproduktion“, erklärte die Bündnis-Sprecherin. „Die hohen Fördergelder für Atomstrom könnten sofort in regenerierbare Energien investiert werden.“ Jochen Stay aus dem Wendland forderte in seiner Rede einen umgehenden Stopp der Atomtransporte durch Deutschland. Der Anti-Atom-Aktivist rief auch zum Widerstand gegen den für November geplanten Castor-Transport ins Zwischenlager Gorleben auf.

Mehrere Redner kritisierten das Abkommen zum Atomausstieg, das die Bundesregierung mit den Kraftwerksbetreibern getroffen hat. Von einem Abschalten aller Meiler bis in 35 Jahren werde schon bald keine Rede mehr sein. „Rot-Grün hat den Atomausstieg verhindert“, wetterte Tobias Pflüger von der Tübinger Informationsstelle Militarisierung. Militärische und friedliche Nutzung der Kernenergie sind für Pflüger „zwei Seiten einer Medaille“. Wer Atommeiler betreibe, „der kann auch waffenfähiges Plutonium herstellen“.

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