In: DeutschlandRadio-Online, 23.03.2002

Eine Lange Nacht von den anderen Gesichtern Israels und Palästinas – Teil II

Vielleicht sind wir am Ende doch Brüder

von: Dolores Bauer / Dokumentation / Pressebericht | Veröffentlicht am: 23. März 2002

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Teil I steht unter: http://www.imi-online.de/2002.php3?id=139

Der Friedensprozess

53. Als den Palästinensern klar wurde, dass diese Aktionen die Siedlungsbewegung nicht beenden konnten, die ihnen allmählich das Land unter den Füßen wegzog, begannen sie Ende 1987 die Intifada – einen Volksaufstand aller Bevölkerungsgruppen. In dieser Intifada wurden 1500 Palästinenser getötet, unter ihnen hunderte von Kindern, das Mehrfache der israelischen Verluste.

54. Der Oktoberkrieg 1973 begann mit dem Überraschungssieg der ägyptischen und syrischen Truppen und endete in ihrer Niederlage. Er überzeugte Yassir Arafat und seine engsten Mitarbeiter, dass es keinen militärischen Weg gibt, um die palästinensischen Ziele zu erreichen. Er beschloss, den politischen Weg zu einem Abkommen mit Israel zu beschreiten, um wenigstens einen Teil der nationalen Ziele durch Verhandlungen zu verwirklichen.

55. Um dafür eine Grundlage zu schaffen, stellte Arafat zunächst Verbindungen mit israelischen Persönlichkeiten her, die Einfluss auf die öffentliche Meinung und auf die Regierungspolitik in Israel hatten. Seine Vertreter (Said Hamami und Issam Sartawi) trafen sich mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Israels, jenen Pionieren des Friedens, die 1975 den „Israelischen Rat für einen israelisch-palästinensischen Frieden“ gründeten.

56. Diese Verbindungen und die wachsende Erschöpfung der Israelis durch die Intifada, der Rückzug Jordaniens aus dem Westjordanland, die Veränderung der internationalen Bedingungen (der Zusammenbruch des kommunistischen Blocks, der Golfkrieg) führten zur Madrider Konferenz und später zum Oslo-Abkommen.

Das Oslo-Abkommen

57. Das Oslo-Abkommen hat positive und negative Eigenschaften.

58. Auf der positiven Seite führte das Abkommen Israel zu seiner ersten offiziellen Anerkennung des palästinensischen Volkes und seiner nationalen Führung und führte die palästinensische Nationalbewegung zur Anerkennung der Existenz Israels. Im Hinblick darauf war das Abkommen (und der Briefwechsel, der ihm vorausging) von größter historischer Bedeutung.

59. Das Abkommen gab der palästinensischen Nationalbewegung eine territoriale Basis auf palästinensischem Boden, die Struktur eines „Staates im Werden“ und bewaffnete Kräfte – Tatsachen, die später eine bedeutende Rolle in dem fortgehenden palästinensischen Kampfe spielten. Für die Israelis öffnete das Abkommen die Tore zur arabischen Welt und beendete die palästinensischen Angriffe – solange das Abkommen wirksam war.

60. Der hauptsächliche Mangel des Abkommens war, dass beide Seiten hofften, ihre vollkommen gegensätzlichen Ziele zu erreichen. Die Palästinenser sahen es als ein zeitweiliges Abkommen an, das den Weg zur Beendigung der Besatzung und zur Gründung eines Palästina-Staates in allen besetzten Gebieten bereitete. Auf der andern Seite sahen die jeweiligen israelischen Regierungen in ihm den Weg, die Besatzung in großen Teilen des Westjordanlandes und des Gaza-Streifens aufrechtzuerhalten mit einer palästinensischen Selbstregierung (self-government), die die Rolle einer Hilfsagentur für die Sicherheit Israels und der Siedlungen spielen sollte.

61. Darum stellt Oslo nicht den Beginn eines Prozesses zur Beendigung des Konfliktes dar, sondern eher eine neue Phase des Konfliktes.

62. Da die Erwartungen auf beiden Seiten so sehr voneinander abwichen und jede völlig an die eigene nationale „Erzählung“ gebunden blieb, wurde jeder Teil des Abkommens verschieden interpretiert. Letzten Endes wurden viele Teile des Abkommens vor allem von Seiten Israels nicht umgesetzt. (Der dritte Rückzug, die vier sicheren Passagen zwischen dem Gaza-Streifen und dem Westjordanland, u.a.)

63. Während der ganzen Periode des Oslo-Prozesses fuhr Israel mit der Ausdehnung der Siedlungen fort, indem es hauptsächlich unter verschiedenen Vorwänden neue gründete, die bestehenden vergrößerte, ein sorgfältig ausgearbeitetes Netz von Umgehungsstraßen baute, Land enteignete, Häuser zerstörte und Plantagen verwüstete. Die Palästinenser andererseits nutzen die Zeit, ihre Kräfte innerhalb und außerhalb des Rahmens des Abkommens auszubauen. Tatsächlich ging der historische Konflikt unter dem Vorwand der Verhandlungen und des „Friedensprozesses“ – der stellvertretend für tatsächlichen Frieden stand – unvermindert weiter.

64. Im Gegensatz zu seinem Image, das sich nach seiner Ermordung noch verstärkte, hielt Yitzak Rabin den Konflikt „auf dem Boden“ am Leben, während er gleichzeitig den politischen Prozess managte, Frieden zu israelischen Bedingungen zu erlangen. Da er ein Anhänger der zionistischen „Erzählung“ war und ihre Mythologie akzeptierte, litt er an einer kognitiven Dissonanz, als seine Hoffnungen für Frieden mit seiner Vorstellungswelt zusammenprallten. Er hat anscheinend begonnen, einige Teile der palästinensischen Geschichtsdeutung wahrzunehmen – aber das war erst kurz vor seinem Lebensende.

65. Der Fall Schimon Peres ist viel ernster. Er schuf sich selbst ein internationales Image als Friedensmacher und richtete seine Redeweise derart aus, dass sie dieses Image reflektiert („Der Neue Nahe Osten“), während er im Wesentlichen ein traditioneller zionistischer Falke blieb. Dies wurde während der kurzen und gewalttätigen Periode deutlich, als er nach der Ermordung Rabins als Ministerpräsident fungierte, und noch einmal, als er kürzlich die Rolle des Sprechers und Verteidigers von Scharon annahm.

66. Am deutlichsten wurde das israelische Dilemma, als Ehud Barak zur Macht kam und vollkommen von seiner Fähigkeit überzeugt war, dass er den Gordischen Knoten des historischen Konfliktes mit einem dramatischen Schlag beenden könne – in der Art Alexander des Großen. Barak näherte sich dem Problem mit völliger Ignoranz gegenüber der palästinensischen Geschichtsdeutung und ohne Achtung vor derer Bedeutung. Er präsentierte seine Vorschläge als Ultimaten und war erschrocken und wütend, dass sie zurückgewiesen wurden. (. . .)

70. Der Camp David Gipfel im Sommer 2000, der Arafat gegen seinen Willen aufgedrängt wurde, war vorzeitig und spitzte die Probleme zu. Barak forderte – seine Forderungen wurden beim Gipfel als solche Clintons präsentiert – die Palästinenser sollten den Konflikt als beendet erklären und auf das Rückkehrrecht und die Rückkehr selbst verzichten; sie sollten komplizierte Regelungen für Ost-Jerusalem und den Tempelberg, ohne Souveränität über beides, akzeptieren; sie sollten mit großen territorialen Annektionen im Westjordanland und im Gaza-Streifen einverstanden sein, desgleichen mit israelischer Militärpräsenz in weiteren großen Gebieten und mit der israelischen Kontrolle über die Grenzen, die den palästinensischen Staat vom Rest der Welt trennen. Kein palästinensischer Führer könnte jemals solch ein Abkommen unterzeichnen. Und so endete der Gipfel mit einem toten Punkt und die Karrieren von Clinton und Barak waren auch am Ende.

Die Al-Aksa-Intifada

71. Der Zusammenbruch des Gipfels, das Verschwinden jeglicher Hoffnung für ein Abkommen zwischen den beiden Seiten und die bedingungslose Pro-Israel-Haltung der Amerikaner, führte unvermeidlich zu einer neuen Runde von gewalttätigen Konfrontationen, die den Namen Al-Aksa-Intifada bekamen. Für die Palästinenser ist dies ein gerechtfertigter nationaler Aufstand gegen die fortdauernde Besatzung, deren Ende nicht in Sicht ist und die es ermöglicht, ihnen ständig und täglich ihr Land unter den Füßen wegzuziehen. Für die Israelis ist dies ein Ausbruch mörderischen Terrors. Für die Palästinenser erscheinen die Ausführenden dieser Akte Nationalhelden – für die Israelis gnadenlose Verbrecher, die liquidiert werden müssen.

72. Die offiziellen Medien in Israel sprechen inzwischen nicht mehr von „Siedlern“, sondern von „Einwohnern“; ein Angriff auf sie ist demnach ein Verbrechen gegen Zivilisten. Die Palästinenser dagegen sehen in den Siedlern die vorderste Reihe eines gefährlichen Feindes, dessen Absicht es ist, sie ihres Land zu berauben, und der besiegt werden muss.

73. Ein Großteil des israelischen „Friedenslagers“ brach während der Al-Aksa-Intifada zusammen und es stellt sich heraus, dass viele seiner Überzeugungen auf tönernen Füßen standen. Besonders nachdem Barak „jeden Stein umgedreht“ und „großzügigere Angebote als jeder frühere Ministerpräsident“ gemacht hatte, war die Reaktion der Palästinenser für diesen Teil des „Friedenslagers“ unbegreiflich. Dieser hatte nämlich die zionistische „Erzählung“ nie gründlich revidiert und nicht zur Kenntnis genommen, dass es auch eine palästinensische „Erzählung“ gibt. So blieb ihm nur die Erklärung, dass die Palästinenser das israelische Friedenslager betrogen hätten, dass sie nie beabsichtigt hätten, Frieden zu schließen, und dass es ihre wahre Absicht sei, die Juden ins Meer zu werfen, wie die zionistische Rechte seit jeher behauptet.

74. Das Ergebnis war, dass die Trennlinie zwischen der zionistischen „Rechten“ und „Linken“ verschwand. Die Führer der Arbeitspartei traten in die Scharon-Regierung ein und wurden ihre wirksamsten Apologeten (Schimon Peres) und sogar die formelle linke Opposition (Yossi Sarid) beteiligte sich am Konsens. Dies beweist erneut, dass die zionistische Geschichtsdeutung der entscheidende Faktor ist, der alle Facetten des politischen Establishments in Israel eint und die Unterschiede zwischen Rehavam Zeevi und Avraham Burg, Yitzah Levi und Yossi Sarid unbedeutend werden lässt.

75. Es gibt einen spürbaren Rückgang der palästinensischen Bereitschaft, den Dialog mit den israelischen Friedenskräften wieder aufzunehmen; dies ist eine Folge der großen Enttäuschung über die „linke Regierung“, die nach den Netanyahu-Jahren so viele Hoffnungen geweckt hatte, wie auch eine Folge der Tatsache, dass mit Ausnahme der kleinen radikalen Friedensgruppen, von keiner israelischen Empörung über die brutalen Reaktionen der Besatzungskräfte zu hören war. Die Tendenz, die Reihen zu schließen, typisch für jede Nation in einem Befreiungskrieg, ermöglicht es den extremen nationalistischen und religiösen Kräften auf der palästinensischen Seite, sich gegen jede israelisch-palästinensische Zusammenarbeit zu stellen.

Ein neues Friedenslager

76. Der Zusammenbruch des alten Friedenslagers erfordert die Schaffung eines neuen israelischen Friedenslagers, das realistisch, zeitgemäß, wirksam und stark sein wird, das auf die israelische Öffentlichkeit Einfluss ausüben und eine umfassende Neubewertung der alten Axiome herbeiführen kann, um einen Wechsel im israelischen politischen System zu bewirken.

77. Dazu muss das neue Friedenslager die öffentliche Meinung zu einer mutigen Neubewertung der nationalen „Erzählung“ und deren Befreiung von falschen Mythen führen. Es muss danach streben, die Geschichtsauffassungen der beiden Völker in einer gemeinsamen „Erzählung“ zu vereinen, die frei von Fälschungen ist und von beiden Seiten akzeptiert werden kann.

78. Dabei muss es der israelischen Öffentlichkeit auch vermitteln, dass, bei all den schönen und positiven Seiten des zionistischen Unternehmens, dem palästinensischen Volk ein furchtbares Unrecht angetan wurde. Dieses Unrecht, das seinen Höhepunkt während der „Nakba“ erreichte, verpflichtet uns, Verantwortung zu übernehmen und den Schaden wieder gutzumachen, so weit wie dies nur möglich ist. (…)

80. Die Unterzeichnung eines Friedensabkommens und dessen ehrliche Umsetzung wird zu einer historischen Versöhnung zwischen den beiden Nationen führen, die auf Gleichheit, Zusammenarbeit und gegenseitiger Achtung beruht.

Aus dem Englischen übersetzt von Ernst Herbst und Ellen Rohlfs Mail- und Postadresse: info@gush-shalom.org P.O. Box 3322, Tel-Aviv 61033. Die hebräische und englische Version finden Sie in: www.gush-shalom.org

Lenos Pocket, Nr.57 Thymian und Steine Sumaya Farhat-Nasser Lenos Verlag, Basel 2000 ISBN: 3857876573

Als Botschafterin der palästinensischen Sache ist sie zu einem Begriff geworden: Sumaya Farhat-Naser. Sie kommentiert am Radio politische Entwicklungen, im Fernsehen und an Veranstaltungen tritt sie als unpolemische Zeugin und engagierte Frauenvertreterin auf. In ‚Thymian und Steine‘ erzählt sie ihre Lebensgeschichte, die 1948, im Jahr der israelischen Staatsgründung beginnt. Wie ein Schatten wird die Leidensgeschichte des palästinensischen Volkes ihr Leben begleiten – ein Leben, das in seiner emanzipatorischen Ausrichtung exemplarisch ist für den Weg einer jüngeren palästinensischen Frauengeneration.

Zwei Völker, zwei Staaten. Gespräch über Israel und Palästina von Uri Avnery Palmyra Verlag, Heidelberg 1995

In einem Gespräch mit dem Heidelberger Verleger und Journalisten Georg Stein beschreibt Uri Avnery in diesem Buch ausführlich Hintergründe und Folgen des Gaza-Jericho-Abkommens. Kenntnisreich wie kein anderer analysiert er die Hoffnungen und Chancen, aber auch die Gefahren und Risiken der neuesten Entwicklung im Nahen Osten.

Quo vadis Israel? Die neue Intifada der Palästinenser von Felicia Langer Lamuv Verlag., Göttingen 2001

Im Sommer 2000 scheiterten die Gespräche zwischen Israels Premier Barak, PLO-Führer und Vorsitzender der Autonomie Arafat und US-Präsident Clinton in Camp David. Es folgte eine Runde gewalttätiger Auseinandersetzungen: mit Hunderten Toten und Tausenden von Verletzen, zumeist auf palästinensischer Seite. Die neue israelische Regierung ist seitdem bereit, die palästinensische Bevölkerung unter der Besatzung zu unterdrücken – mit dem Ziel, die Siedler zu schützen. Mit einer totalen Abriegelung von Westbank und Gazastreifen will man die neue Intifada abwürgen – ohne Erfolg. Felica Langer zeigt anschaulich, wie täglich die Rechte der Palästinenser verletzt werden, ergreift Partei für Menschen, die zunehmend von der Weltöffentlichkeit ignoriert werden, weist den Weg zum gerechten Frieden.

Feinde des Friedens von Ludwig Watzal Aufbau Taschenbuch, Berlin 2001

Der bei der Unterzeichnung der „Oslo-Abkommen“ beschworene „neue Nahe Osten“ ist eine Fata Morgana geblieben. Der Friedensprozeß hat den Palästinensern nicht die ersehnte staatliche Unabhängigkeit, sondern verstärkte Repression gebracht. Das Buch bietet einen Überblick über den israelisch-palästinensischen Konflikt von der zionistischen Besiedelung des Landes bis in die Gegenwart. Ludwig Watzal stellt erstmals den Friedensprozeß in seiner Komplexität dar. Seine Analyse sämtlicher Abkommen vermittelt ein differenziertes Bild der israelischen und der palästinensischen Gesellschaft. Israel steht vor einer politischen, ethnischen und religiösen Zerreißprobe. Sein Besatzungsregime, die totale Zerstückelung der besetzten Gebiete sowie massive Verletzungen der Menschenrechte der Palästinenser durch Israelis und die palästinensische Autonomiebehörde haben zu einer zweiten Intifada geführt, die Gewalt und Terror eskalieren lässt. Einen Ausweg sieht Watzal nur in der Umsetzung aller den Konflikt betreffenden UN-Resolutionen und der Revision des israelischen Geschichtsverständnisses. (Aufbau Verlag). http://www.watzal.com/

Friedensfeinde Der Konflikt zwischen Israel und Palästina in Geschichte und Gegenwart Ludwig Watzal Aufbau Verlag 1998

Der Autor schildert die Geschichte des Konfliktes von der jüdischen Besiedelung Palästinas Ende des 19. Jahrhunderts bis heute und analysiert die seit 1993 geschlossenen Verträge, die den „Friedensprozess“ konstituieren, doch von vornherein eine Aussöhnung verhinderten. Des weiteren werden die Menschenrechtsverletzungen Israels und der palästinensischen Autonomiebehörde dargestellt und die außenpolitischen Verflechtungen Israels sowie seine religiöse Fundamentalisierung beschrieben. Eine faktenreiche Studie, die neuen Aufschluss gibt über die Zusammenhänge von Politik, Terror und Missachtung der Menschwürde.

Die ‚Anderen‘ in uns. Dialog als Modell der interkulturellen Konfliktbewältigung von Dan Bar-On Edition Körber-Stiftung November 2001

In seinem neuesten Werk gewährt der israelische Psychologe Dan Bar-On Einblicke in die mentalen Befindlichkeiten im Nahen Osten. Seine sozialpsychologischen Untersuchungen zeigen, wie eng die aktuellen Auseinandersetzungen mit der Geschichte des Landes und seiner Gründergeneration verknüpft sind. Eindrucksvoll analysiert er die bewegenden Gespräche zwischen Juden und Arabern, aber auch zwischen Juden dreier Generationen in Israel, in denen viele Tabus thematisiert und diskutiert werden. Am Beispiel der kollektiven israelischen Identität entwickelt er ein dialogisches Modell der Identitätsfindung, das sich auf viele politische und persönliche Konfliktbereiche übertragen lässt. http://www.stiftung.koerber.de/edition/index.html

Das Ende des Friedensprozesses Oslo und danach Edward W. Said Berlin Verlag 2002

Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern zählt nun schon seit Jahrzehnten zu den brisantesten Krisenherden der Weltpolitik und scheint heute angesichts der nicht abreißenden Gewalt auf beiden Seiten unlösbarer denn je. Edward W. Said, einer der einflussreichsten Intellektuellen unserer Zeit, der zuletzt mit seiner Autobiografie für Furore sorgte, hat diesen Konflikt auch auf Grund seiner eigenen Herkunft und Geschichte immer wieder kommentiert. Sein neues Buch versammelt etliche journalistische Texte, mit denen er den so genannten „Friedensprozess“ seit dem Abkommen von Oslo bis heute gewohnt kritisch und engagiert begleitet hat. In seinen Augen erweist sich das Oslo-Abkommen nicht als Durchbruch zum Frieden, sondern als gut getarnter Misserfolg, denn darin ist weder von der Selbstbestimmung noch von Souveränität der Palästinenser die Rede, geschweige denn von einem Ende der israelischen Siedlungspolitik. Er spart nicht mit Kritik an Israel, blickt hinter die Mythisierungen und Vereinfachungen der Medien und läuft Sturm gegen das westlich-israelische Vorurteil, jeder Palästinenser sei ein Terrorist, jeder Muslim ein blutrünstiger Fundamentalist. Doch auch die palästinensische Seite verschont er nicht. So kommentiert er scharfzüngig Arafats Führungsstil und wirft ihm vor, der israelischen Gewalt, etwa in Form der illegalen Landenteignungen, tatenlos zuzusehen. Zugleich verurteilt Said den palästinensischen Propaganda- und Zwangsapparat, der jede Regung von Kultur und Wissenschaft im Keim erstickt. Bei aller Ernüchterung bewahrt Edward Said einen Funken Hoffnung, und zusammengenommen enthalten seine Texte wohl durchdachte, überzeugende Vorschläge, wie eine friedliche Schlichtung des israelisch-palästinensischen Konflikts aussehen könnte.

Angst im eigenen Land. Israelische und palästinensische Schriftsteller im Gespräch von Rafik Schami Nagel u. Kimche, Frauenfeld 2001

Das Buch „Angst im eigenen Land“ zeigt, auf welcher Grundlage eine Annäherung zwischen Palästinensern und Israelis stattfinden könnte. Neun Schriftstellerinnen und Schriftsteller und Intellektuelle israelischer und palästinensischer Herkunft haben sich auf Einladung des in Deutschland lebenden syrischen Autors Rafik Schami vor etwas mehr als einem Jahr an der Eidgenössisch Technischen Hochschule in Zürich zum Thema „Angst im eigenen Land“ unterhalten. Die Ergebnisse der Debatten liegen inzwischen in schriftlicher Form vor. Seit der Veranstaltung in Zürich hat sich die Situation im Nahen Osten allerdings überhaupt nicht in jene Richtung entwickelt, wie sie den Teilnehmenden damals vorschwebte. Trotzdem ist das Buch „Angst im eigenen Land“ ein eindrückliches Dokument, das zeigt, wie mit gegenseitigem Respekt und Unvoreingenommenheit erste Hürden abgebaut werden könnten.

Der verborgene Frieden. Politik und Religion im Nahen Osten von Reiner Bernstein Jüdische Verlagsanstalt Berlin 2000

Der Historiker Reiner Bernstein untersucht in dieser Studie Ursachen und Umstände des Konflikts zwischen Juden und Palästinensern in Israel. Dabei geht er den Beweggründen beider Seiten sachlich und auf hohem wissenschaftlichen Niveau auf den Grund. Die Repressalien gegen die Palästinenser werden ebenso kritisch beleuchtet wie die Politik Arafats. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Bedeutung religiöser Antriebe: Zum Einen erlebte der Zionismus, wie Bernstein darlegt, eine Umdefinition von einer Nationalbewegung zur messianischen Realutopie, und der Staat Israel wäre ohne religiös-mythologische Grundlagen kaum vorstellbar. Zum Anderen hat auch der Islam eine immer größere Bedeutung für die Widerstandsbewegung der Palästinenser gewonnen. Untersucht werden außerdem die völkerrechtliche Bedeutung der bisher zwischen Israelis und Palästinensern getroffenen Vereinbarungen, die ungleichen wirtschaftlichen Voraussetzungen bei beiden Völker und die immer schwieriger werdende Rolle der USA und Europas im Hinblick auf den Nahostkonflikt. Der verborgene Frieden ist eine sehr gut recherchierte Arbeit eines ausgesprochenen Israel-Experten. Friedrich Kuhlmeier

Hat Israel noch eine Chance? Palästina in der neuen Weltordnung von Hermann L. Gremliza Konkret Literatur-Verlag Hamburg 2001

Ist der Frieden im Nahen Osten nach der Wahl Ariel Sharons zum israelischen Ministerpräsidenten endgültig verloren? Bedroht die so genannte Al-Aksa-Intifada die Existenz Israels? Verkauft der Westen Israel an die arabischen Ölförderstaaten? Das Buch informiert über die Geschichte des Nahost-Konflikts, die Gründe und Perspektiven der gegenwärtigen Auseinandersetzungen und die Rolle, die der Antisemitismus darin spielt. Es beschäftigt sich ausführlich mit der Genese der arabischen Judenfeindschaft und ihrer Radikalisierung im Fundamentalismus islamischer Bewegungen. Das Buch enthält Beiträge von Jean Améry, Omer Bartov, Asher Ben Natan, Yehuda Z. Blum, Micha Brumlik, Yoran Dinstein, Talia Einhorn, Georg Fülberth, Hermann L. Gremliza, Peter Hacks, Hakam Abdel-Hadi, Yoram Kaniuk, Martin Klote, Ruth Lapidoth, Andrei S. Markovits, Thomas von der Osten-Sacken, Avi Primor, Ralf Schröder, Sylke Tempel, Thomas Uwer, Justus Wertmüller und Moshe Zuckermann.

Geschichte Palästinas. Von der osmanischen Eroberung bis zur Gründung des Staates Israel von Gudrun Krämer C.H.Beck Verlag 2002

Nahostlexikon. Der israelisch-palästinensische Konfikt von A-Z von Gernot Rotter, Schirin Fathi Palmyra Verlag., Heidelberg 2001

Israel in Nahost – Deutschland in Europa: Nahtstellen von Alfred Wittstock Herausgeber Westdeutscher Verlag 2001

Bibel und Schwert. Palästina und der Westen von Barbara Tuchman Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt/Main 2001

Befreiungskampf in Palästina. Von der Madrid- Konferenz zur Al Aqsa- Intifada von Fritz Edlinger Promedia, Wien 2001

Laßt uns wie Menschen leben. Schein und Wirklichkeit in Palästina von Felicia Langer Lamuv Verlag., Göttingen 1999

Felsendom und Klagemauer. Arafats Kampf um seinen Staat von Gerhard Konzelmann Lübbe, Bergisch-Gladbach 2000

Frieden in Nahost? Essays über Israel und Palästina von Edward W. Said Palmyra Verlag, Heidelberg 1997 Saids Artikel wenden sich an arabische Leser, gerade dadurch sind sie für ein westliches Publikum aufschlußreich: man versteht die verzweifelte Lage, in der sich die Palästinenser befinden. Said bezieht eindeutig Stellung: Mit der ihm eigenen Klarheit und Unbestechlichkeit spürt er grobe Ungerechtigkeiten gegenüber den Palästinensern auf, die in den Oslo-Abkommen eingebaut sind. Saids Analyse des Friedensprozesses ist überzeugend. Er hat in der Literaturkritik gelernt, Texte zu durchschauen. Und die modernen Bilder Israels und der Palästinenser, mit denen wir leben, sind nichts als komplizierte, schwer zu entziffernde Texte. Said zeichnet ein düsteres Bild der Lage und erklärt trotzdem, dass er optimistisch sei. Diese Zuversicht bezieht er aus der einfachen Überzeugung des Intellektuellen, dass die Wahrheit letztlich stärker ist als politische Macht. Das setzt den Glauben voraus, dass eine in den Weltlauf eingebaute Gerechtigkeit der Wahrheit zum Durchbruch verhilft. Süddeutsche Zeitung

Oslo. Tor zum Frieden in Nahost? von Matthias Ries Meinhardt, Idstein 2000

Israel und Palästina: Ein Zweifamilienhaus? von Amos Oz Suhrkamp, Frankfurt/Main 2002

Israel, Palästina und der Antisemitismus. Aufsätze von Hannah Arendt Wagenbach, Berlin 1991

Die sprechenden Steine. von Ghazi Abdel-Qadir Belz&Gelberg, 1998 Über die Anfänge der Intifada Kamal erzählt von seinem Leben in Warda, einem Dorf auf der Westbank. Von seiner eigensinnigen Großmutter und ihrem einsamen Picknick unter dem Mandelbaum. Von der Nacht, die sie im Laden des alten Luka zwischen Reis- und Dattelsäcken verbringen müssen, und von der Verhaftung Dschamilas. Ein König müsste er sein. Dann könnte Kamal seinen Traum von Frieden und Versöhnung wahrmachen.-Ein wichtiger literarischer Versuch, das Leben palästinensischer Kinder unter israelischer Besatzung vorstellbar zu machen.- (Felicia Langer)

Israel und Palästina. Richtig Reisen von Michel Rauch DuMont, Köln 2002

Israel und palästinensische Gebiete. Reisehandbuch mit vielen praktischen Tipps von Sabine Brandes M. Müller Verlag., Erlangen

Anders reisen: Israel. Palästina. Ein Reisebuch in den Alltag von Ute Frings, Rolly Rosen Rowohlt Taschenbuch-Verlag, Reinbek 1996

Die Autorin der Langen Nacht: Dolores M. Bauer Geboren am 18.September 1934 in Schwarzenbach bei St.Wolfgang. http://www.dynamik5.at/dolores.html

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