in: taz köln 21.02.2002

Panzer weichen Natur

Der Truppenübungsplatz Vogelsang in der Eifel wird 2006 stillgelegt und in einen Nationalpark verwandelt.

von: Dirk Eckert | Veröffentlicht am: 21. Februar 2002

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Jetzt hoffen alle auf Tourismus Endlich Frieden in der Eifel: Belgien will seinen auf deutschem Gebiet liegenden Truppenübungsplatz Vogelsang westlich von Schleiden bis 2006 aufgeben.

Das nordrhein-westfälische Umweltministerium bastelt derzeit an einem Nutzungskonzept und will das Militärgelände in einen „Nationalpark Eifel“ umwandeln. Unterstützung hat das Ministerium der Grünen Bärbel Höhn bereits in einem Gutachten der Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten (LÖBF) erhalten. Ein Nationalpark Eifel würde die nötigen Anforderungen erfüllen, stellte diese in einem Gutachten fest.

„Das Militär hat die Vorarbeit geleistet“, meint Thomas Griese, Staatssekretär im Umweltministerium Nordrhein-Westfalen. Denn die militärische Nutzung habe verhindert, dass das Areal „zersiedelt und besiedelt“ wurde. Der Natur sei dadurch sehr viel Freiraum gewährt worden, die Artenvielfalt auf dem 4000 Hektar großen Gelände sei einzigartig. All das sind wichtige Kriterien, um gemäß Bundesnaturschutzgesetz und internationalen Konventionen einen Nationalpark einrichten zu können.

Das Land will den Truppenübungsplatz Vogelsang noch um den westlich gelegenen Kermeter ergänzen, so dass der „Nationalpark Eifel“ 6500 Hektar groß werden könnte. Der Kermeter ist in öffentlichem Eigentum, was auch ein wichtiges Kriterium für die Ausweisung eines Nationalparks ist: Privater Boden ist in der Regel zu stark bewirtschaftet und wird als „nicht mehr Nationalpark-tauglich“ eingestuft.

Noch kein Konzept gibt es bisher zum Umgang mit der Burg Vogelsang. Mit der NSDAP-Parteischule begann die Geschichte von Vogelsang. Nach dem Krieg nutzte Belgien das Gelände als Truppenübungsplatz. Forderungen, das Übungsgelände stillzulegen, gibt es seit 1985. Damals gründete sich die „AG Ziviles Vogelsang“, nachdem das Dorf Dreiborn in der Eifel vom Truppenübungsplatz aus beschossen wurde “ versehentlich. 1994 hatte eine Petition an den Bundestag Erfolg. Mehrheitlich forderte der Bundestag die Regierung auf, mit Belgien das Ende der militärischen Nutzung zu verhandeln. Belgien willigte ein, 1997 beschloss der Bundestag, Vogelsang in eine zivile Nutzung zu überführen. 2000 schließlich wurde das erste Naturschutzgebiet ausgewiesen. Doch vom Tisch war die militärische Nutzung damit noch nicht. Immer wieder gab es Hinweise, dass die Bundeswehr das dann brachliegende Areal übernehmen wolle. Am 30. November 2001 konnten die SPD-Bundestagsabgeordneten Achim Großmann und Helga Kühn-Mengel nach einem Gespräch mit Verteidigungsminister Rudolf Scharping den Abzug der belgischen Truppen und die zivile Nutzung verkünden.

Staatssekretär Griese freut sich jetzt über die „Friedensdividende“. Ob das Militär allerdings auch Altlasten hinterlässt, weiß er noch nicht. Die Vorfreude auf den Nationalpark, „der erste in Nordrhein-Westfalen“, lässt er sich nicht nehmen. Auch die Gemeinden in der Eifel hätten bisher positiv auf den Nationalpark reagiert. Die Besitzer von Grund und Boden in der Region kann er beruhigen. Es würden keine privaten Flächen zum Nationalpark dazugenommen. „Das ist vom Grundsatz her ausgeschlossen“.

Die Fraktionen im Düsseldorfer Landtag begrüßten die Pläne für einen Nationalpark ebenfalls. Einen „Beschluss über alle Fraktionen“ hat Reiner Priggen, naturschutzpolitischer Sprecher und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag, im Umweltausschuss des Parlaments angeregt. Wichtig ist ihm, dass das Verfahren transparent bleibt: „Bei den Nationalparks Bayrischer Wald und Wattenmeer haben wir gelernt, dass wir die Bevölkerung mitnehmen müssen“.

Doch die will ohnehin. Naturschutzverbände, Gemeinden – alle bekunden Zustimmung. Ein Förderverein ist in Gründung, Kölns Regierungspräsident Jürgen Roters soll den Vorsitz übernehmen.

„Überrascht“ ist Priggen von den positiven Reaktionen der CDU-regierten Eifel-Gemeinden. Aber der Nationalpark sei für die Gemeinden auch wirtschaftlich interessant, erklärt er sich die Umweltbegeisterung der Konservativen. Priggen setzt dabei auf „sanften Tourismus“.

Griese sieht jetzt einem „mehrjährigen Verfahren“ entgegen. Am Ende wird sein Ministerium eine „Nationalparkverordnung“ vorschlagen.

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EIN, ZWEI, MEHRERE NATIONALPARKS…
Ran an die Interventionskräfte

Eine gute Nachricht für die Vogelwelt, für NaturschützerInnen, für Nordrhein-Westfalen: Der Truppenübungsplatz Vogelsang in der Nordeifel soll nach dem Abzug der belgischen Truppen 2006 in einen Nationalpark umgewandelt werden. Das Land Nordrhein-Westfalen erhält damit seinen ersten Nationalpark. Alle Parteien im nordrhein-westfälischen Landtag und die Eifel-Gemeinden freuen sich über das Refugium für bedrohte Arten in unberührter Natur. Und natürlich über Einkünfte aus dem Tourismus. Zumal sie das alles zum Nulltarif bekommen.

Selbst die Militärs freuen sich: Sie können in Zeiten knapper Kassen Geld sparen. Und der Verzicht auf Vogelsang tut den Militärs nicht einmal weh. Schließlich muss die Bundeswehr Kapazitäten abbauen. Umzingelt von Freunden, kann sie sich ganz auf die neue Kernkompetenz konzentrieren: Ordnung schaffen in den Krisenregionen der Welt.

Gefragt sind kleine, schlagkräftige Armeen – darin sind sich Militärs und PolitikerInnen einig. So hat es die NATO 1991 auf ihrem Gipfel in Rom beschlosse. Seitdem werden die Truppen der NATO-Mitgliedsstaaten auf „Krisenintervention“ getrimmt. Auch Deutschland hat dem Rechnung getragen und das Kommando Spezialkräfte und die Division Spezielle Operationen aufgestellt.

Friedenspolitisch ist deshalb die Umwandlung des Truppenübungsplatzes Vogelsang in einen Nationalpark wenig wert. Zwar ist es ein Schritt in die richtige Richtung. Aber danach müssen weitere Truppenübungsplätze folgen. Vor allem solche, auf denen die Interventionskräfte der Bundeswehr trainieren, die Deutschlands Interessen in aller Welt sichern sollen.

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