Dokumentation: Eine zivilisierte Antwort finden

von: 18. September 2001

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Zur Situation nach den Terroranschlägen in den USA und der Entscheidung des NATO-Rates vom 12. September 2001 erklären die Bundestagsabgeordneten Annelie Buntenbach, Winfried Hermann und Hans-Christian Ströbele:

Die Terroranschläge in den USA haben Tausende von unschuldigen Menschen verletzt und getötet. Das Ausmaß an Zerstörung übersteigt unsere Vorstellungskraft.

Wir sind bestürzt und schockiert. Wir fühlen mit den Opfern, ihren Familien und ihren Freunden. Unsere Solidarität gilt ihnen und der ganzen amerikanischen Bevölkerung. Wir trauern mit ihnen.

Diese Anschläge auf zentrale Gebäude der USA waren zugleich Anschläge auf die USA und auf das zivile Zusammenleben von Menschen. Auch deshalb sind wir betroffen und gefordert. Wir müssen eine zivilisierte Antwort darauf finden. Es gilt, die Verantwortlichen und Hintermänner der Anschläge zur Rechenschaft zu ziehen. Vor einem internationalen Gericht. Die Weltgemeinschaft muss gemeinsam diesen Terrorismus bekämpfen und zukünftige Anschläge verhindern. Sie muss aber auch die tiefliegenden Ursachen von Hass und Gewalt bearbeiten. „Therapie an den sozialen und politischen Wurzeln des Terrors,“ fordert der Theologe Hans Küng. Genau dies ist die lange vernachlässigte und nun um so dringlichere Aufgabe der Staatengemeinschaft.

Die NATO hat den Bündnisfall, wenngleich konditioniert, beschlossen. Damit hat sie die Terroranschläge zum Kriegsfall erklärt und die Voraussetzungen geschaffen, mit militärischen Mitteln zu antworten. Wir halten dieses Vorgehen für falsch. Wir sollten diese Kriegserklärung der Terroristen nicht hinnehmen. Wir sollten selbst auch keine militärischen Aktionen befürworten. Auch wenn diese Terrorakte hinsichtlich Gewalt, Zerstörung und Leid das Ausmaß eines Angriffes im Krieg haben: Sie sind etwas anderes. Es sind und bleiben Terrorakte, deshalb müssen wir darauf andere Antworten finden.

Bei allem Mitgefühl und Verständnis für die USA und ohne die Gewaltbereitschaft der Attentäter und ihrer Unterstützer zu unterschätzen: Wir sollten – und dürfen – nicht mit Vergeltung und Krieg antworten. Rache und Vergeltung schaffen keinen Frieden. Im Gegenteil: sie provozieren weitere Gewalt. Sie bergen die Gefahr, dass der Terrorismus statt notwendiger Ächtung eher noch Solidarität erfährt. Das wäre die Erfüllung dessen, was die Terroristen beabsichtigen: der nächste Schritt auf dem Weg zum vollständigen Sieg des Hasses über alles Menschliche. In diese Situation wollen und dürfen wir uns nicht hineintreiben lassen.

Wer diese Position unterstützt, den bitten wir um Unterschrift auf beigefügter Liste.

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