FB: Kundgebung: „Keine Vergeltung!“ in Tübingen

von: 14. September 2001

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Bericht des Schwäbischen TAGBLATT am 14.09.2001

TÜBINGEN

(re). Rund 200 Menschen demonstrierten am späten Donnerstag Nachmittag auf dem Holzmarkt bei einer Kundgebung des Zentralamerika-Komitees und der Informationsstelle Militarisierung gegen Vergeltungsschläge nach den Terrorattacken in den USA.

„Militärische Stärke bedeutet noch mehr Leid, noch mehr Trauer und noch mehr Hass. Das können wir nicht gutheißen“, sagte Gabi Buck vom Zentralamerika-Komitee. Weder militärische Vergeltung und sofortige Bestrafung mutmaßlicher Täter noch die Erhöhung der Sicherheitsstandards könnten als politische Reaktionen beruhigen, warnte Politologe Thomas Nielebock. „Wir sind insofern auch Amerikaner, als wir zutiefst verunsichert sind, was alles auf uns zukommen mag.“

Dass der Terror zum Krieg erklärt wurde, nannte Nielebock eine „neue Dimension der Konfliktbearbeitung“. Man dürfe eine kriminelle Vereinigung nicht mit „Mitteln des Staatenkrieges“ bekämpfen. Mehr Sicherheit könne massive Eingriffe in Freiheitsrechte bedeuten. „Das ist das Risiko von Zivilgesellschaften: Schutz kann durch erhöhte Sicherheit nicht hundertprozentig hergestellt werden.“ Die einzige Lehre aus den Terror-Anschlägen sei, auch im Nord-Süd-Gefälle „zu helfen, dass es den anderen auch gutgehen kann.“

„Ich befürchte, dass wir seit dem 11. September eine andere Phase der Weltpolitik haben“, sah Tobias Pflüger von der Tübinger Informationsstelle Militarisierung wieder die Gewalt in den Vordergrund treten. Er forderte anstelle von Vergeltungsschlägen und militärischer Eskalation „für alle Menschen gleiche Lebensgrundlagen“.

Wie Pflüger, wandte sich Susanne Büttner vom Zentralamerika-Komitee gegen Militäreinsätze mit Bundeswehr-Beteiligung als Reaktion auf die Anschläge. Mitgefühl mit den Opfern müsse Leitmotiv bleiben, so die Asylpfarrerin. „Innehalten, Nachdenken über die Ursachen und weltweites Umdenken – das wäre zivilisiert.“

tagblatt online, 14. September 2001, 10.14 Uhr

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